Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow. Gabriel Noone ist ein Star: ganz San Francisco liebt den Radiomoderator mit Kultstatus. Als er von dem aidskranken 13jährigen Pete erfährt, nimmt er Kontakt zu ihm auf und beginnt, regelmäßig mit ihm zu telefonieren. Doch als er ihn endlich persönlich treffen möchte, erfindet dieser immer neue Ausflüchte ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.06.2003
Dirk Fuhrig stellt Armistead Maupin zunächst als den Autor der "Stadtgeschichten" vor, einen in San Francisco spielenden Fortsetzungsroman der achtziger Jahre, indem das Lebensgefühl einer "jungen urbanen Generation" mitreißend beschrieben wurde. Nun, nach langer Zeit habe der Schriftsteller seine "Lebens- und Schaffenskrise" überwunden. Das "autobiografisch getränkte" Buch über einen "alternden, schwulen Schriftsteller" gefällt dem Rezensenten, der offenbar selbst "Stadtgeschichten-Junkie" war, ganz ausgezeichnet. Er lobt den "leichten, packend-prägnanten Ton" und nennt den Roman ein "hervorragend komponiertes und meisterhaft formuliertes Stück Literatur" eines "feinfühligen, psychologischen" Erzählers.
Maupins Roman liegt eine wahre Geschichte zugrunde; die wahre Geschichte einer Lüge allerdings von einem angeblich aidskranken Jungen, der, wie sich herausstellte, die Erfindung einer erwachsenen Frau war. Dieser Junge aber hat - der vom Rezensenten Rainer Hörmann kritisierten Lust des Autors am Klatsch zum Trotz - eine präzise Funktion im Roman: er verkörpert die nur halb eingestandene Sehnsucht der Hauptfigur Gabriel Noone nach einem Sohn. Noone wurde gerade von seinem langjährigen Partner Jess verlassen - die Beziehung zerbricht daran, dass sich die Lebensperspektiven des an Aids erkrankten Jess mit der Entwicklung neuer Medikamente dramatisch verbessert haben; er möchte sein Leben, als motorradfahrender Lederschwuler, noch einmal von vorne beginnen. Neben das Buch stellt Hörmann immer wieder das Verhalten Maupins während eines Interviews: die Weigerung des Autors, sich auf mehr oder weniger theoretische Fragen einzulassen findet er zuletzt im Buch wieder. Er konstatiert den allerdings "charmant verkauften" Rückfall in den "Mythos einer gesellschaftlich unfruchtbaren Homosexualität".
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