Menschen des späten Mittelalters, die sonst in keiner historischen Quelle zu Wort kämen, erzählen ihre kleinen Schicksale. Sie schreiben an den Papst und bitten um Beistand: Da geht es um Liebe und Tod, Krieg und Pest, Condottieri und Piraten, Pilgerfahrten und Hexenritte. Arnold Esch hat diese Stücke zu einem hinreißenden Buch verwoben, das uns durch alle Sphären führt: vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Aus Tausenden von unveröffentlichten Schreiben an den Papst hat Arnold Esch für diesen Band, der an die Wahren Geschichten aus dem Mittelalter anschließt, eine Auswahl getroffen. Doch diesmal kommen die Gesuche nicht nur aus dem mitteleuropäischen Raum, sondern aus ganz Europa, von Portugal bis Polen, von Schottland bis Sizilien. Kaum irgendwo sonst wird das Mittelalter so aus der Nähe betrachtet und gerade dadurch ungewöhnlich anschaulich und lebendig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2014
Michael Borgolte ist dem Herausgeber Arnold Esch für eine Sensation dankbar. Was der ehemalige Direktor am Deutschen Historischen Institut in Rom geleistet hat, indem er aus 97.000 Bittschriften von um die christlichen Weihen fürchtenden Büßern 2400 aus den Jahren 1439-1484 auswählte, vermag Borgolte kaum zu ermessen. Das aus den ungedruckten Originalen aus der päpstlichen Bußbehörde Destillierte begeistert den Rezensenten vor allem durch die dem Leser offenbarten regionalen Unterschiede. Was Kaufleute aus Rom, Bankiers aus Florenz oder Damen aus Venedig von Rom erbaten, liest Borgolte hier. Und die Auseinandersetzung mit den Muslimen im Mittelmeer, wie sie sich in den Bittschriften niederschlägt, findet er höchst lesenswert. Beklemmung verursacht die Lektüre dem Rezensenten allerdings auch, schließlich, so Borgolte, ging es bei all dem um die Angst vor ewiger Strafe und Gewissensnot.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014
Ein zweiter Band der Geschichten aus dem Mittelalter von Arnold Esch ist erschienen, und Rezensent Stephan Speicher ist begeistert. Im neuen Werk, für das der Historiker Esch abermals im Archiv der Pönitentiarie gestöbert hat, entdeckt er weitere interessante Fälle aus dem 15. Jahrhundert, diesmal aber nicht aus dem Gebiet des römisch-deutschen Reiches, sondern aus anderen europäischen Ländern, informiert der Kritiker. Amüsiert folgt Speicher den hier zusammengetragenen Fällen, liest etwa wie sich ein Priester an die päpstliche Buß- und Gnadenbehörde wendet, nachdem er "aus Naivität" einem Amtsbruder Gift in den Messwein gemischt hat oder wie ein Mann nach der Verlobung mit einer Prostituierten bittet, aus dem Gelübde entlassen zu werden. Wunderbare farbige Bilder, kurze Erörterungen, Eschs feinsinnige, respektvolle und doch lebendige Erzählweise machen diesen Band zu einem wahren Ereignis, schwärmt der Kritiker.
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