Aus dem Mittelfranzösischen übersetzt, herausgegeben und mit einem Nachwort von Margarete Zimmermann. Christine de Pizan wurde 1364 in Venedig geboren und starb nach 1429 in Frankreich. Sie war Schriftstellerin und Philosophin und gilt als die erste Autorin, die vom Schreiben leben konnte. Das 1404/05 entstandene "Buch von der Stadt der Frauen" ist ihr berühmtestes Werk, das immer wieder neu gelesen und interpretiert wird. Zum Zeitpunkt des Erscheinens war Christine de Pizan bereits eine anerkannte Schriftstellerin sowie erfolgreiche Verlegerin ihrer eigenen Bücher. 1400 war sie mit dem von ihr entfachten Streit um Jean de Meuns "Rosenroman" an die Öffentlichkeit getreten. Ihr "Buch von der Stadt der Frauen" ist eine ebenso kluge wie witzige Streitschrift gegen die Flut von Hatespeech aus der Feder frauenfeindlicher Autoren. Dagegen errichtet die Autorin eine Festung aus Bausteinen in Gestalt beispielhafter Geschichten über ideale Formen von Weiblichkeit - über Herrscherinnen, Kriegerinnen, Künstlerinnen, Dichterinnen oder Erfinderinnen. Außerdem debattiert sie mit den drei Allegorien Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit und Vernunft über Probleme wie verbale und physische Gewalt gegen Frauen oder deren erschwerten Zugang zur Bildung. "Das Buch von der Stadt der Frauen" ist außerdem ein frühes Beispiel feministischer Literaturkritik und Kanonrevision.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Kritikerin Katharina Teutsch freut sich, dass mit Christine de Pizan eine der ersten Feministinnen nun endlich auch auf Deutsch zu entdecken ist: "Ich, Christine" und "Das Buch von der Stadt der Frauen" heißen die Bände aus dem 15. Jahrhundert, die Margarete Zimmermann kenntnisreich übersetzt und herausgegeben hat. Pizan wurde in eine gebildete Familie hineingeboren, erfahren wir, nach dem Tod des Professoren-Vaters wird es aber schwierig, sie plagt sich mit den "Leermeinungen" vermeintlich gebildeter, hauptsächlich aber misogyner Männer. Daraufhin entwirft sie, die "erste Berufsschriftstellerin", eine utopische Frauenstadt, in der "Gerechtigkeit, Rechtmäßigkeit und Vernunft" herrschen, ein allegorien- und kenntnisreiches Buch, wie Teutsch bekräftigt. So eloquent und scharf wie treffend ist ihr Schreiben, resümiert die Rezensentin, die hofft, dass Pizan nun auch in Deutschland nicht länger als Geheimtipp gelten mag.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2024
Rezensentin Leonie C. Wagner freut sich, dass das Buch der Spätmittelalterautorin Christine de Pizan in einer neuen Übersetzung vorliegt. Wagner zeichnet de Pizans Biographie nach und auch ihren Weg zur Literatur. Gegen die frauenfeindlichen Schriften von Zeitgenossen wie Jean de Meung wollte de Pizan eine weibliche Perspektive etablieren, erfahren wir, und in der Literatur die Stadt der Frauen des Titels errichten. De Pizans Buch, fährt Wagner fort, dreht Geschlechterstereotype um, porträtiert bewundernswerte Frauen, appelliert an die Urteilskraft ihrer Geschlechtsgenossinen und spart auch nicht an Humor. Schön, dass das Werk jetzt wiederentdeckt werden kann, so das Fazit.
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