Im ersten Teil seiner auf drei Bände angelegten Geschichte der Philosophie beschreibt Richard David Precht die Entwicklung des abendländischen Denkens von der Antike bis zum Mittelalter, verknüpft die Linien der großen Menschheitsfragen und verfolgt die Entfaltung der wichtigsten Ideen - von den Ursprungsgefilden der abendländischen Philosophie an der schönen Küste Kleinasiens bis in die Klöster und Studierstuben, die Kirchen und Machtzentren des Spätmittelalters. Dabei bettet er die Philosophie in die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der jeweiligen Zeit ein und macht sie auf diese Weise auch für eine größere Leserschaft lebendig.
Prosaphilosophie ist für Mara Delius, was Richard David Precht hier vorlegt. Auch wenn sie keine Lust hat, sich an den Streitereien um wahre und Populärwissenschaft im Falle Precht zu beteiligen, bleibt sie skeptisch, wenn der Autor durchaus mit Detailversessenheit, aber nicht zuletzt auch mit atmosphärischem Gespür Philosophiegeschichte erzählen will. Schließlich gibt es Derartiges schon. Und schließlich reicht Prechts lebensweltliche Perspektive auf philosophische Ideen von der Antike bis zum Mittelalter nicht aus, findet Delius, um mehr als Grundströmungen zu erfassen. Auch wenn von der Melodie und der Architektur des philosophischen Arguments außer bei Precht in Philosophiegeschichten kaum je die Rede ist, wie Delius einräumt, Philosophie ist doch mehr als Prechts staunenswertes ideengeschichtliches Phantasieland, meint sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2015
Bei Lesern beliebt, bei Kritikern durchgefallen: Das sei Richard David Prechts aktueller Stand, schreibt Uwe Walter und mutmaßt sogleich, mit dem nun erscheinenden ersten Teil einer "Geschichte der Philosophie" wolle der Autor womöglich sein Image aufpolieren. Nach Ansicht der Kritikers gelingt das Precht nur bedingt. Manche Skizzen aus der Antike seien ihm "reichlich grob geraten" und vieles sei sogar schlichtweg falsch. Das Ringen des Autors ums Verstehen platonischer Schriften sei zwar aller Ehren wert - aber in den Augen des Rezensenten offenbar auch nicht viel mehr. Gefallen findet Walter hingegen daran, wie Precht Ideen der antiken Philosophie auf die heutige Zeit überträgt, wobei ihm anschauliche Analogien bis hin zu "interessanten Diagnosen" gelängen. Unterm Strich findet Walter in "Erkenne die Welt" beides vor: "subtile und weniger subtile Bekenntnisse". Falls jemand nur wegen des Autors zu diesem Buch greife, so resümiert er, sei das jedenfalls nicht schlimm.
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