Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Amsterdam 1758. Nach allen Regeln der Kunst beginnt ein Mann, eine Frau zu verführen. Er ist unter dem Namen Chevalier de Seingalt im Auftrag der französischen Regierung in der Handelsmetropole. Lucia ist eine Edelprostituierte, in den höheren Kreisen Amsterdams auch dafür bekannt, daß sie nie den ihr Gesicht verbergenden Schleier ablegt.Überzeugt von seiner Unwiderstehlichkeit, wettet er mit ihr, daß sie, wie jede andere Frau vor ihr, es nicht bereuen wird, sich von ihm lieben zu lassen. Was Seingalt nicht weiß, ist, daß er die geheimnisvoll Verschleierte in seiner Jugend gekannt und geliebt hat; was Lucia nicht weiß, ist, daß Seingalt als einer der größten Liebhaber der Welt in die Geschichte eingehen soll: Er ist Casanova. Arthur Japin erzählt in seinem Roman "Die Verführung" die Geschichte der Lucia von Pasiano, die eine kluge Frau war; ihr mitreißendes Leben, das sie von den Kanälen Venedigs zu den Grachten in Amsterdam führte. Er erzählt von ihrer Unschuld, ihren Erfahrungen und Opfern und zeichnet ein Porträt des 18. Jahrhunderts mit seinen Widersprüchen von Verstand und Instinkt, Geist und Sinnlichkeit, Kopf und Herz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2006
Eine kurze Episode nur ist die doppelte Begegnung mit der erst hinreißend jungen und naiven, dann im Bordell wieder getroffenen völlig ruinierten Lucia in Casanovas Memoiren. Arthur Japin hat daraus aber einen Roman gestrickt, in dem Casanova nicht so gut wegkommt, dafür aber Lucia Gerechtigkeit widerfährt. Die Pocken, erfahren wir, haben ihre Schönheit zerstört - und aus der Praxis der Verschleierung hat Lucia eine Theorie zum Verhältnis von Nacktheit und Schleier gewonnen. Durch trickreiches Verbergen und Locken weckt sie noch immer das Begehren der Männer. Martin Halter erkennt sehr wohl die Absicht des Autors, hier auch etwas zu aktuellen Themen - Kopftuch zum Beispiel - zu sagen, und ist verstimmt. Aber nicht zu sehr. In der Entwicklungsgeschichte von Lucia vom "rousseauistischen Wildfang zur raffinierten Salonschlange" entdeckt er viel Wahrheit und nimmt dafür die eine oder andere etwas flache Pointe in Kauf.
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