Therese Fabiani ist "eine Gestalt, die von den Lesern ständige Hellhörigkeit und Aufmerksamkeit fordert". (Ruth Klüger) Tochter eines Offiziers, der geisteskrank stirbt, und einer Mutter, die sie schon früh an einen Adligen verkuppeln will, behält sie das Gefühl, im letzten immer allein zu sein. Ihr Leben ist zum Scheitern bestimmt. Arthur Schnitzler gibt ihr jedoch als einziger der wenig charaktervollen Figuren eine Entwicklung ins Positive. Dieser Roman spiegelt die Situation des Vorkriegsösterreich, das "eine Vergangenheit hat, aber keine Zukunft".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.12.2000
Schnitzler kündigte mit "Therese" eine Chronik an und hielt diese Gattung auch in allen "106 kurzen Erzählabschnitten" durch: "Scheinbar unberührt, müde und streng zugleich", wie Rezensent Reinhard Baumgart findet. Eine "Fin-de-Siècle-Diagnose", die man durchaus "als einen trostlos ins Breite gezogenen Reigen" lesen könne.
Die Geschichte von Therese Fabiani, einer "mittellose(n) Absteigerin". "Ohne Chance, ihr Leben zu stabilisieren", wird sie schließlich von ihrem Sohn getötet.
Auf dieses "finstere Finale" hin habe Schnitzler seinen Roman geschrieben, meint Baumgart. Trotzdem sei es nicht richtig, das Buch vom Ausgang her zu lesen. "Zu aufgesetzt und angeklebt scheint die Moral der Geschichte" und das Schuldbekenntnis der Mutter "zu melodramatisch", um zu überzeugen. So ist auch Baumgart letztlich nicht von dieser Chronik überzeugt. Ihr fehle der "ästhetische Widerstand", außerdem sei der Erzählfluss zu weich für die spröde Handlung. Baumgart prophezeit den Lesern zwar ein Gefühl der Beeindruckung, vor allem aber Ermüdung und Erschöpfung.
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