Franz Werfel, Arthur Schnitzler, Karl Kraus, Sigmund Freud, Theodor Herzl: Die Reihe der jüdischen Intellektuellen, die nicht nur das Wiener Geistesleben um 1900 geprägt haben, lässt sich fast beliebig lange fortsetzen. Der renommierte Germanist Egon Schwarz, der selbst als Kind jüdischer Eltern 1938 aus Wien nach Südamerika fliehen musste, beleuchtet die sozio- und kulturhistorischen Gründe dieses Phänomens. Keine Stadt versinnbildlicht die Spannungen zwischen westlicher Monarchie und östlicher Provinz und die Gegensätze zwischen Patriotischem und Multinationalem so sehr wie das Wien der Jahrhundertwende. So verwundert es nicht, dass die Hauptstadt der Donaumonarchie, dieser Schmelztiegel von Nationen und Kulturen, gleichzeitig den Nährboden für Herzls Zionismus und Hitlers Antisemitismus bilden konnte. Egon Schwarz entführt den Leser ins Fin de siècle und lässt ihn an den Biografien jüdischer Literaten wie Joseph Roth, Arthur Schnitzler oder Karl Emil Franzos nachempfinden, was es bedeutete, zu dieser Zeit "jüdisch" und "österreichisch" zu sein, dem "malheur d'être juif", aber auch dem Glück, in einem Umfeld von beispielloser Kultiviertheit und Intellektualität wirken zu können
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Bewegt hat Rezensent Friedmar Apel die nun unter dem Titel "Wien und die Juden" erschienenen Essays des Wiener Literaturwissenschaftlers Egon Schwarz gelesen. Er erfährt in den sehr persönlich geschriebenen Texten, wie schwer es vielen Wiener Juden fiel, die Heimatstadt verlassen zu müssen, liest, wie spät sich etwa Sigmund Freud entschloss, Wien zu verlassen oder wie früh und treffsicher Arthur Schnitzler antijüdische Tendenzen in seinen Werken analysierte. Zugleich bewundert der Kritiker darüber hinaus Schwarz' Vermögen, in seinen Essays über Franz Werfel, Joseph Roth oder Karl Emil Franzos zu verdeutlichen, wie unterschiedlich die Wiener Schriftsteller auf die Lage reagierten. Nach der äußerst lehrreichen Lektüre hat der Rezensent nicht nur Zweifel an dem bestehenden Bild des "jüdischen Schriftstellers", sondern kann den Band mit Blick auf gegenwärtige antiisraelische Tendenzen auch seiner Aktualität wegen unbedingt empfehlen.
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