Von Barschen, Augustäpfeln und anderen Menschen
Erzählungen

Edition Faust, Frankfurt/Main 2025
ISBN
9783949774850
Broschiert, 384 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Am Ufer des Gehlandsees steht das Erholungszentrum Rusałka - ein Ort voller Sehnsüchte, Ängste und Mythen. Hier herrscht Albrecht Butcher, ein Mann, den alle fürchten und den doch niemand aufhält. Man sagt, er habe Menschen im Wald verschwinden lassen und dass selbst Blitze ihn nicht töten können. Aber wer ist er wirklich - ein Tyrann, ein Geschäftsmann oder nur ein Kind seiner Zeit? In fünfzehn Erzählungen führt Artur Becker durch eine Welt zwischen Masuren und Deutschland, Vergangenheit und Gegenwart, Heimat und Exil. Er erzählt von Näherinnen, die Urlaub machen und von einem besseren Leben träumen, von einem Sohn, der in Zeiten des Umbruchs zu seiner sterbenden Mutter reist, von verlorenen Liebenden, gestrandeten Existenzen und einem Sozialismus, der sich selbst nicht mehr tragen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2026
Insgesamt fühlt sich Rezensent Ulrich Steinmetzger durchaus wohl in den Erzählungen Artur Beckers, die dieser Band versammelt. 15 Texte sind es an der Zahl und sie handeln alle, autobiografisch inspiriert, von gebürtigen Polen, die ihr Glück in Deutschland suchen, weil sie von ihrem - damals noch sozialistischen - Heimatland die Nase voll haben. Wichtig ist für die Texte der Ort Bartoszyce mitsamt Umgebung, in dem auch Becker geboren wurde: "Im Land der dreitausend Seen" im Nordosten Polens wimmelt es von Mythen, die sich in den Geschichten wiederfinden. Engel, Teufel und Geister bevölkern die Landschaft und auch die Schatten des Nationalsozialismus sind noch gegenwärtig. Mal "märchenhaft stilisiert, immer deftig zugeneigt" erzählt Becker suchend vom Verlust der Heimat, erklärt der Kritiker, dabei geht es auch ganz schon heftig zu, Sex und Gewalt kommen nicht zu knapp. Manche der Geschichten wären verzichtbar gewesen, meint Steinmetzger, der sich freilich im Großen und Ganzen durchaus gern mit diesen umtriebigen polnischen Melancholikern beschäftigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.01.2026
Rezensent Christian Thomas durchleuchtet in seiner Doppelkritik eigentlich Artur Beckers gesamtes Werk; Anlass ist aber der neue Erzählband "Von Barschen, Augustäpfeln und anderen Menschen" und auch auf den 2024 erschienenen Essayband "Schwarze Servietten auf meinem Herzen. Aus dem Leben der Kosmopolen" kommt Thomas zu sprechen. Aus letzterem erfährt der Kritiker Wichtiges zur persönlichen und politischen Herkunft des Autors: Es geht um das "mythische Masuren" im Nordosten Polens, wo Becker aufwuchs, wo der Zauber der Natur und der Horror eines "ideologisierten Staates" herrschten, wie Thomas die Darstellung des Autors wiedergibt. Auch die Emigration als 17-Jähriger nach Deutschland ist dort Thema; mit "Diasporamenschen" sei entsprechend Beckers literarisches Werk bevölkert. Wie "divers" auch im neuen Erzählband die Erzählstimmen ausfallen, die der Autor zu Wort kommen lässt - vom "ausgefuchsten Schelm" bis zum "robusten Schwadroneur" -, und wie sich Becker sprachlich dabei mit Haut und Haar dem einen oder anderen hingebe, inklusive überbordender Metaphern oder "gewagter" Vergleiche, scheint der Kritiker äußerst staunenswert zu finden. Für Thomas zwei weitere bestechende Zeugnisse von Beckers bombenfest in Realität und Geschichte verankertem, dabei noch gekonnt aufs Magische ausgreifendem Werk - er wirkt schwer beeindruckt.