Astrid Ley

Zwangssterilisation und Ärzteschaft

Hintergründe und Ziele ärztlichen Handelns 1934-1945
Cover: Zwangssterilisation und Ärzteschaft
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783593374659
Kartoniert, 394 Seiten, 43,00 EUR

Klappentext

Dissertation. 1933 schuf die NS-Regierung mit dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" die Grundlage für ihre Politik der Eugenik. Die Durchführung dieses Gesetzes stellte die Ärzte, die einerseits nationalsozialistisch organisiert, zugleich aber dem Ethos ihres Berufs verpflichtet waren, vor eine Gewissensentscheidung. Astrid Ley zeigt hier erstmals umfassend, wie sich Ärzte im Spannungsfeld von eugenischer Ideologie und traditioneller Berufsethik verhielten und in welchem Umfang sie an der NS-Selektionspolitik beteiligt waren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2004

Sehr aufschlussreich findet Rezensent Gotthard Jasper Astrid Leys Untersuchung des Verhaltens verschiedener Ärztegruppen zum Gesetz über die Zwangssterilisation von 1934. Die Autorin schildere "präzise" die Entstehung des "Erbgesundheitsgesetzes", die vorherrschende Kommentierung sowie die prozessualen Abläufe. Auf Grundlage bislang unerschlossener Quellen untersuche Ley die Position von niedergelassenen Ärzten, von beamteten Fürsorgeärzten und Anstaltspsychiatern: Während die niedergelassenen Ärzte nur äußerst selten von ihrer Anzeigepflicht Gebrauch machen, ja das Gesetzt teilweise boykottierten, zeigten die Fürsorgeärzte ihre einschlägigen Patienten bereitwillig an und verstanden sich selbst als eine Art "erbbiologisches Ermittlungsbüro". Zurückhaltender wirkten dagegen die Anstaltspsychiater, die auf ihre alleinige Kompetenz in Fragen der Sterilisationsindikation pochten. Die Unterschiede im Verhalten der drei untersuchten Ärztegruppen machen nach Jaspers Ansicht deutlich, dass weniger die eugenisch-volkspolitischen Überzeugungen der Ärzteschaft und deren relative Nähe zum Nationalsozialismus eine Rolle spielten. Es waren vielmehr die jeweiligen "Partikularinteressen" der unterschiedlichen Gruppen und ihr spezifisches Verhältnis zu ihren Patienten, die für die Umsetzung der nationalsozialistischen Sterilisationspolitik ausschlaggebend waren.

Beliebte Bücher

Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Florian Illies. Träume aus Feuer - Der Alchemist von der Pfaueninsel. Bastei Lübbe Verlag, 2026.Florian Illies: Träume aus Feuer
Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…