"Am grauen Strand, am grauen Meer / Und seitab liegt das Kap. " Und in dem Kap treffen sich allabendlich die Desperados, die als erfolgsverwöhnte Jungunternehmer auftreten. So auch Anselm - so nennen wir einen abgebrannten Typ im besten Mannesalter - Anselm Feyrig hatte in seiner Bank die härteste Stunde eines Februarvormittags zugebracht, um einen frisch erkämpften Kredit der Spar- und Leihkasse in sein Stammlokal zu bringen, als ihn die schuldenreiche Vergangenheit in Gestalt eines brutalen Eintreibers einholt. Aber Anselm der Schelm entzieht sich seinen Häschern durch Flucht nach vorn, stolpert von einem Schachzug in die nächste Katastrophe und beweist extraordinäre Nehmer- und Stehaufmännchenqualitäten .
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2004
Rezensent Stephan Maus lässt es wieder einmal richtig krachen: An Axel Marquardts Roman "Anselm im Glück" hat ihm überhaupt nichts gefallen. Die Geschichte über den abgebrannten Autor Anselm, der über eine Nacht eine steile Medienkarriere hinlegt, findet Maus reichlich "dünn". Alles sei aus "dumpfen Rezepten" und "kitschigen Stereotypen" zusammengestoppelt. Was die Handlungsführung angeht, attestiert Rezensent Maus dem Autor "närrische Willkür"; dass der Held Anselm von einer unerwarteten Wendung zur nächsten stolpere, sei kein Zeichen von "Phantasie" sondern von "dramaturgischer Einfallslosigkeit". Besonders ärgerlich findet Maus die bemühte Komik des Romans; hier spiele sich jemand "als Meister der literarischen Hochkomik" auf, höhnt Maus, doch statt leichter, "verspielter" Muse werde nur ein "uninspiriert gackerndes Funkenmariechen" geboten. Als Mediensatire und Parodie auf Daily-Soaps mag der Rezensent den Roman nicht gelten lassen, weil er schon keine Parodie mehr sei sondern nur noch Soap. Und somit vollstreckt Maus sein literarisches Todesurteil: "Warum lesen, was man auch gucken kann?".
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