Am Flussufer ein Feuer
Roman

dtv, München 2024
ISBN
9783423284165
Kartoniert, 432 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Susanne Höbel. Gibt es das, einen Ort der Freiheit? Und welchen Preis zahlen wir dafür? Bonaparte, Alabama, 1985. Die Ufer des sterbenden Dorfs versinken im Nebel, eine Baufirma dringt auf das Land vor. Verbissen kämpft Dutchess Carson um den letzten Grundbesitz der einst blühenden schwarzen Genossenschaft - nicht zuletzt für ihre entfremdete Tochter Ava. In Philadelphia gerät diese währenddessen in den Bann von Ark, einer radikalen Kommune, die sich schwarzer Selbstbestimmung verschrieben hat. Und ihr Sohn Toussaint will raus, zu der Großmutter, die von ihm nichts weiß. Wenn er es nur dorthin schafft ...
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2024
Elf Jahre nach ihrem Debüt hat Rezensentin Nadine Brügger erneut einen großen Roman der amerikanischen Autorin Ayana Mathis vor sich: Es geht um die schwarze Familie Wright, insbesondere um den Sohn Toussaint, aber auch um die Kleinstadt Bonaparte, die Apartheid, die schwarze Community und drei Generationen einer Familie, die sich kaum untereinander verstehen. Toussaint und seine Mutter Ava fliehen vor dem gewalttätigen Partner der Mutter in ein Frauenhaus. Plötzlich taucht Toussaints Vater Cass wieder auf, erfahren wir. Er war Mitglied der Black Panthers und ist jetzt Anführer einer Kommune, die eigentlich eher eine Sekte ist - sie wird zusammengehalten auch von dem Rassismus, der den Schwarzen entgegenschlägt und gegen den sie sich abgrenzen, erklärt Brügger. In "schnörkelloser Sprache" vermittelt Mathis hier eine Geschichte von Familie, Rassismus und Gewalt, aber auch von der Eigenverantwortung ihrer Protagonisten. Alles in allem ein sehr schweres Päckchen, das der noch sehr junge Toussaint zu tragen hat, schließt sie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.11.2024
Rezensent Rainer Moritz ist froh, nach langer Wartezeit einen großartigen neuen Roman der amerikanischen Schriftstellerin Ayana Mathis entdecken zu können: Im Zentrum steht der dreizehnjährige Toussaint Wright, der 1988 mit seiner Mutter in einem Obdachlosenheim unterkommt, das furchtbar dreckig ist. Erst das Auftauchen seines Vaters, der ein Black-Panther-Aktivist ist, bringt wieder Hoffnung. Die Großmutter hingegen lebt in Alabama, wo ein weißer Mob den Schwarzen nach ihrem Besitz trachtet: Diese zwei Erzählebenen zeigen Moritz in "verstörender Aktualität", was es für Schwarze bedeutet, ihre Rechte durchsetzen zu wollen. Mit historischen Verweisen auf die Gee's-Band-Gemeinschaft und die Move-Bewegung zeichnet Mathis dabei ein für den Rezensenten auch sprachlich sehr überzeugendes Bild vom afroamerikanischen Kampf um ein selbstbestimmtes würdiges Leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Ein eindrückliches Buch legt Ayana Mathis hier vor, freut sich Rezensent Tobias Rüther. Mit einer eindrücklichen Hauptfigur: Ava war einst aus dem amerikanischen Süden nach Philadelphia gezogen, dort tut sie sich nun, im Jahr 1985, mit Cass zusammen, dem Vater ihres Sohnes Toussaint. Die Hauptfiguren dieses Buches sind schwarz, erfahren wir, das Buch beschreibt die historische Erfahrung der Great Migration, im Zuge derer viele schwarze Amerikaner in den Norden zogen. Und dadurch freilich,stellt Rüther nach der Lektüre klar, nicht wirklich mit Weißen gleichgestellt wurden, was sich zum Beispiel in diskriminierenden Praktiken im Eigentumsrecht zeigte. Cass nun setzt auf schwarze Selbstorganisation, beschreibt Rüther, er eckt dabei nicht nur bei Weißen, sondern auch bei anderen Schwarzen an, und Ava wiederum muss erfahren, dass Cass selbst nicht in jeder Hinsicht integer ist. Rüther vergleicht Ava mit Frauenfiguren bei Alice Walker und Toni Morrison. Insgesamt ist Mathis ein tolles Buch gelungen, das viel zu sagen hat über die prekären Lebensumstände schwarzer Menschen in den USA und allgemeiner über die Frage, wem das Land gehört, in dem alle Menschen gemeinsam leben, resümiert der Rezensent.