Aus dem Persischen von Sarah Rauchfuß. Iran, Juni 1981: Der Sieg der Islamischen Revolution liegt zwei Jahre zurück, das neue Regime beginnt, die politische Opposition auszuschalten. Die Welle der Gewalt macht auch vor Minderjährigen nicht Halt, und so verlebt der junge, aufgrund einer Verwechslung festgenommene Peyman Bamshad seine Jugend in verschiedenen Haftanstalten. Folter und Massenhinrichtungen bestimmen den Alltag, dem die Insassen die Bewältigungsstrategie der Jugend entgegensetzen, Grausames und Unverständliches ins Lächerliche zu ziehen. Sie erschaffen sich eine Welt, die nach eigenen Gesetzen funktioniert, mit einer eigenen Sprache und einem eigenen Humor. Nach seiner Entlassung schafft Peyman es nicht, an sein früheres Leben anzuknüpfen. Er isoliert sich, zieht in den Keller seines Elternhauses und verlässt diesen schließlich nicht mehr. In seinem vierzigsten Lebensjahr beschließt er, sich von der Last des Erlebten zu befreien und einem Selbst auf die Spur zu kommen, das kaum Gelegenheit hatte, sich zu entwickeln.
Ein eindrückliches Buch über die Schwierigkeiten von Selbstfindung im Angesicht staatlicher Willkür hat Bahram Moradi Rezensent Cornelius Wüllenkemper zufolge verfasst. Autobiographisch inspiriert ist das Buch, lesen wir: Moradi war in den 1980ern im Iran inhaftiert, und auch Peyman Bamschad, die Hauptfigur seines Romans, gerät 1981, als er zur falschen Zeit am falschen Ort ist, in Haft, das Regime möchte ein Schuld- und auch ein Treuebekenntnis erpressen, insgesamt durchläuft der Protagonist mehrere Haftanstalten und wird mit diversen Folterwerkzeugen konfrontiert. Keineswegs geradlinig wird das erzählt, beschreibt Wüllenkemper, assoziativ bis zusammenhanglos gleitet der fast psychedelisch anmutende Text durch verschiedene Wirklichkeits- und Bewusstseinszustände. Der fiktionale Erzähler bringt die Erlebnisse, heißt es weiter, Jahrzehnte später zu Papier, um das eigene Trauma tiefenpsychologisch aufzuarbeiten. Wüllenkemper folgt ihm bei diesem Unterfangen gebannt.
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