Barbara Distel (Hg.)

Frauen im Holocaust

Cover: Frauen im Holocaust
Bleicher Verlag, Gerlingen 2001
ISBN 9783883500515
Gebunden, 428 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Sara Banatar, Ute Benz, Wolfgang Benz, Halina Birenbaum, Ruth Bondy, Anne Cohen, Barbara Distel u.a. Welche Erfahrungen haben Frauen im Holocaust gemacht? Die Herausgeberin Barbara Distel zeigt die Verschiedenartigkeit der Erlebnisse, die das Schicksal der Frauen während der Nazi-Zeit bestimmten: Die Schicksale reichen von Flucht und Exil über Ghetto und Konzentrationslager bis hin zum Überleben im Versteck und Untergrund. Es gibt jedoch auch Frauen, die zu Täterinnen wurden. Frauen mussten oft nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder entscheiden, ohne zu wissen, was sie erwartete. Das beeinflusste ihr Erleben und ihr Schicksal. Erst in jüngerer Zeit wurde diese spezifisch weibliche Wahrnehmung der Nazi-Schreckensherrschaft zum Thema.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2001

Knapp bis kaum vorhanden seien die Kapitel über "Frauen als Täterinnen" in den beiden Büchern ausgefallen, rügt Elisabeth Bauschmid, die aber auch viel Interessantes und Lesenswerte darin gefunden hat.
1) Barbara Distel (Hrsg.): "Frauen im Holocaust"
Unbehagen hätte sie beschlichen, gesteht Bauschmid, angesichts dieses Buches. Sei nicht die Ungleichheit der Geschlechter zweitrangig angesichts der Gleichheit im Tod, fragt sie gemeinsam mit Ruth Bondy, einer Überlebenden aus Theresienstadt. Vor dieser Gleichheit im Tod muss jede Untersuchung kapitulieren, meint die Rezensentin, aber im Leben der Todeskandidaten hätte es dennoch - geschlechterspezifische - Unterschiede gegeben, denen das Buch in verschiedenen Sequenzen nachgehe. Es war beispielsweise leichter, jüdische Mädchen als beschnittene Jungen zu verstecken, berichtet sie, Frauen erwiesen sich teilweise als zäher im täglichen Überlebenskampf, auch wenn sie, im Arbeitslager, tatsächlich weniger Lohn erhielten als die Männer - wie im richtigen Leben. Die KZ-Aufseherinnen wiederum seien nicht weniger grausam als ihre männlichen Kollegen gewesen.
2) Wolfgang Schneider: "Frauen unterm Hakenkreuz"
Weniger gut kommt das Buch Schneiders in der Besprechung von Elisabeth Bauschmid weg. Nicht nur, dass sie die bloß "zehn Zeilen Text" zum Kapitel NS-Täterinnen ärgerlich findet, womit sie die "feministische Mär" unterstützt sieht, Frauen seien bloß Opfer des Nationalsozialismus gewesen (die u.E. keiner mehr so behauptet), auch in den anderen vier Abschnitten des Buches, chronologisch von 1933 bis 1945 vorgehend, mit kurzer Einführung und anschließendem Dokumentationsteil, leuchtet ihr die Raffung der geschichtlichen Abläufe sowie die Auswahl der Dokumente oftmals nicht ein. Erstens gebe es bei den Texten Doppelungen, moniert die Rezensentin, zweitens handele es sich überwiegend um Propagandamaterial, das bloß "das offizielle Frauenbild bedient".
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