Kein anderes Thema hat das Selbstbild der Polen nach 1989 so erschüttert wie ihr Verhältnis zu den Juden. Sie sahen sich als Helfer und Retter, aus keiner anderen Nation wurden in Yad Vashem so viele Menschen als "Gerechte unter den Völkern" geehrt. Doch spätestens seit der Debatte über das Massaker von Jedwabne steht fest: Auch Polen haben ihre jüdischen Mitbürger erpreßt, denunziert, ermordet. In den letzten 20 Jahren fand zwischen den "Unschuldsbesessenen" und jenen Polen, die sich den Schattenseiten der Vergangenheit stellen wollen, eine intensive Debatte statt, deren wichtigste Beiträge in diesem Band versammelt und kommentiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2009
Für alle, die an guten Beziehungen zu den polnischen Nachbarn interessiert sind, sollte dieser Band Pflichtlektüre sein, meint Rezensent Thomas Urban. Helga Hirsch und Barbara Engelking haben darin die wichtigsten Essays zum polnisch-jüdischen Verhältnis versammelt, die in den vergangenen beiden Jahrzehnten in polnischen Medien erschienen sind. Oftmals haben diese heftige und wichtige Geschichtsdebatten in Polen ausgelöst, wie Urban nacherzählt. Etwa als der junge Historiker Michal Cichy Dokumente veröffentlichte, denen zufolge Überlebende des Warschauer Ghettos von Angehörigen der polnischen Heimatarmee umgebracht wurden. Thema sind auch die berühmten Karmeliter-Kreuze in Auschwitz, die Diskussionen um die "Konkurrenz der Opfer auslösten, oder das Progrom von Jedwabne, bei dem polnische Dorfbewohner mehrere hundert ihrer jüdischen Nachbarn ermordeten.
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