Wie lässt sich die Mitte der Gesellschaft in einer Stadt im Herzen Deutschlands am besten beschreiben? Nicht mit dem Wunsch nach Singularität, sondern mit dem nach Bodenständigkeit.In ihren soziologischen Feuilletons im Stil der 1920er Jahre erkundet die Autorin mit Ironie und Anteilnahme das Leben im heutigen Erfurt und Thüringen. Die Wahlerfurterin berichtet mal mit Blick aus dem heimatlichen Montreal, mal mit Blick aus dem Osten Europas. Es geht um karierte Hemden, kurze Haare, Jugendweihe, heimliches Heiraten - Themen, die den Alltag mitunter exotischer erscheinen lassen als ferne Länder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.05.2020
In diesem Buch nimmt eine kanadische Soziologin die Erfurter Mitte der Gesellschaft in den Blick, erklärt Rezensent Norbert Mappes-Niediek. Dem Kritiker zufolge spürt die Autorin dabei dem unübersetzbaren Wort "bodenständig" nach, das sie zum Beispiel an gemäßigten Karohemd-Trägern illustriert findet. Ihre Technik, nicht einzuordnen und zu erklären, sondern wie auf einem Foto zu präsentieren, hat dem Rezensenten gefallen: So kommt seiner Meinung nach kein Voyeurismus auf. Allerdings musste Mappes-Niediek deshalb auch die Verbindungen zur Politik selbst herstellen - im besten Fall lernt man mit dem Buch, "genauer hinzusehen", schließt er.
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