Aus dem Französischen von Martin Budde. Handlettering von Dirk Rehm. 1957. Während die Menschheit neuerdings Nacht für Nacht in den Himmel starrt, um die Metallkugel zu entdecken, die die Russen in den Orbit geschossen haben, gilt Igors Begeisterung wesentlich weltlicheren Dingen: Fußball. Indianerspielen. Den Trotteln aus der Unterstadt auf die Mütze hauen. Bis das Weltraumfieber auch den 13-Jährigen und seine Kumpels erfasst: So schwer kann es doch wohl nicht sein, Professor Bienleins Rakete aus "Reiseziel Mond" nachzubauen… Baru gelingt es mit leichter Hand, die Fünfzigerjahre in einem lothringischen Industriestädtchen aufleben zu lassen. Mitreißend erzählt und ohne jede nostalgische Verklärung.
Rezensent Christoph Haas schätzt den französischen Comiczeichner Baru zwar als "Fürsprecher der Marginalisierten", als "Stilist" aber bewundert er ihn, wie er am Beispiel der zwischen 1999 und 2003 erschienenen "Sputnik-Jahre" festmacht, die, durchaus autobiografisch eingefärbt, eine Kindheit in den Fünfziger Jahren schildern. Der zwar rührenden und detailversessenen Nostalgie stellt Baru dabei eine gewisse Ruppigkeit und nicht zuletzt eine Prise Ironie entgegen, etwa in der Zeichnung des orthodox-kommunistischen Milieus, in dem die Hauptfigur Igor aufwächst, beobachtet Haas. Noch mehr aber entzücken ihn Barus stilistisches Talent bei der Gestaltung der Seitenarchitektur, die bewusst zwischen konventioneller und freier Konzeption changiere, und nicht zuletzt die "sanfte Farbigkeit", die ein spannungsreiches Verhältnis zur eher karikaturistischen Figurendarstellung aufbaue. Alles Gründe, findet Haas, den in Deutschland noch eher unbekannten, in Frankreich längst gefeierten Zeichner zu entdecken.
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