Lucius Annaeus Seneca war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der römischen Kaiserzeit: Philosoph und Literat, Erzieher und Ratgeber des jungen Nero und schließlich von diesem zum Freitod gezwungen, ein Musterbeispiel für steilen Aufstieg und tiefen Sturz, ein Fall für Tragödien - und auch für Romane. Der junge Schweizer Autor Beat Schönegg erzählt Senecas letzte Lebensjahre als Geschichte einer Selbstbefreiung. Unter der zerstörerischen Herrschaft Neros greifen Erpressung, Folter und Mord um sich. Seneca kehrt der Politik den Rücken und erlebt für kurze Zeit persönliches und schöpferisches Glück...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2002
Der Titel des Romans des 34-jährigen Baslers Beat Schönegg führt etwas in die Irre, meint Rezensent Gieri Cavelty, denn es geht nicht allein um den erzwungenen Freitod des Dichters und Philosophen Seneca - der sei eigentlich nur das Sahnehäubchen auf Senecas Leben und Denken gewesen - sondern vielmehr um sein philosophisches Hauptwerk, die "Epistulae morales". Und die hat der Autor intensiv studiert, sogar eine Dissertation darüber geschrieben, berichtet der Rezensent. Da hat es Cavelty auch nicht erstaunt, dass Schönegg dem Leser oft einen hohen Wissensstand abfordert und den Eindruck erweckt, man habe einen "gutlateinischen" Text vor Augen. Reine Unterhaltung ist der Roman also keinesfalls, aber er macht Lust auf mehr, meint der Rezensent. Und sollte es die Absicht Schöneggs gewesen sein, den Leser an Seneca heranzuführen, so sei ihm das vortrefflich gelungen, lobt Cavelty.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.12.2001
Die Voraussetzungen sind eigentlich nicht schlecht: Der Tod des Seneca, schreibt der Rezensent, sei kein Allerweltsthema, und dem über Seneca promovierten Autor fehle es auch nicht an "Kenntnissen, die ihm eine solide Grundlage" böten. Aber. Detlef Horster lässt kaum ein gutes Haar an dem Buch: Von den philosophischen Dialogen Senecas ist ihm zu wenig enthalten, dafür sind es der "Paraphrasen von Goethe- und Hölderlin-Zitaten" zu viele, Spannung kann der Autor kaum erzeugen, und stilistisch ist der Roman sowieso "kein Meisterwerk". "Er ist vielfach schwülstig, prätentiös und angefüllt mit nichtssagenden Attributen." Nach dieser Philippika verwundert es allerdings doch ein wenig, dass Horster noch von einem "insgesamt zwiespältigen Werk" sprechen mag.
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