"Die Neue Rechte hat Antonio Gramsci in den letzten Jahren besser verstanden als wir." So brachte Ines Schwerdtner, Bundesvorsitzende der Linkspartei, einen Selbstanspruch jenes jungeuropäischen Aufbruches auf den Punkt, der über Affektpolitik, Populismus und bürgerliche Illusionen hinausweist. Für diesen Aufbruch steht auch Benedikt Kaiser. Kaiser erläutert die wichtigsten gramscianischen Begriffe - darunter "Hegemonie", "Alltagsverstand", "organischer Intellektueller" und "historischer Block" - anhand zeitgenössischer Beispiele, räumt mit verbreiteten Missverständnissen auf und weist der Metapolitik ihren Platz vor und neben der Parteipolitik zu. Fast beiläufig werden im Verlauf der Analyse politische Dauerbrenner wie die Fragen nach dem wahren Charakter der "Neuen Rechten", dem Wert von Populismus gegenüber Elitentheorien und dem Verhältnis zwischen Krise, Revolution und Evolution klargestellt."Der Hegemonie entgegen" ist das Handbuch für alle Akteure in Real- und Metapolitik, die den nächsten Schritt gehen wollen, nein: müssen.
Kühl registriert und analysiert der hier rezensierende Politikwissenschaftler Sascha Ruppert-Karakas das 2025 erschienene Buch von Benedikt Kaiser. Der neurechte Autor zielt darin auf eine "identitäre Revolution" ab, die auch für "antikapitalistisch und antiimperialistisch orientierte Protestmilieus" anschlussfähig sein soll, steckt der Kritiker den groben Rahmen ab. Im Detail deckt er dann die Argumentations- und Denkmuster auf, die dieser Ausrichtung zugrunde liegen - als zentrale Pfeiler macht er unter anderem ein Eingliedern sämtlicher sozialer und politischer Komplexitäten in einen angenommenen hegemonialen bzw. totalitären Zusammenhang aus. Auch eine "Schmittianische Tiefenstruktur" beobachtet er, insbesondere in Kaisers Freiheits- und Rechtsverständnis - wenn das Recht nur denen zugestanden wird, die sich solidarisch der Identität unterordnen. Auch betont der Kritiker, dass Kaiser die "liberale Sozial- und Deutungsordnung selbst" infrage stelle, wenn er etwa ein "Vokabular des Liberalismus" sprengen will. Wie genau die von Kaiser avisierte Zukunft aussehen soll, bleibt laut Ruppert-Karakas zwar vage, aber darin schon alarmierend genug: in Alltag, Schule, Kirche, Sport möchte Kaiser intervenieren, möglichst qua einzelner wirkmächtiger "Meinungsführer". Für den Kritiker eine "Kampfansage" und ein Weckruf für eine Resilienz nicht in der Politik, sondern gerade im Bereich der "individuellen Lebensrealität", schließt er.
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