Chronik der laufenden Entgleisungen
Über den grassierenden Rechtspopulismus in Österreich und Deutschland und die Verschärfung der Debatten

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518432112
Gebunden, 368 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Im Herbst 2024 wählt Österreich einen neuen Nationalrat, und der Wahlkampf hat längst begonnen. Thomas Köck führt Buch über die alltäglichen politischen Entgleisungen: Da werden Messer auf Wahlkampfveranstaltungen geschliffen und Journalisten vor laufender Kamera in den Schwitzkasten genommen, während österreichische Aktivisten der Neuen Rechten in Deutschland Vorträge über Massenabschiebungen halten und Spenden aus bürgerlichen Kreisen sammeln. Köck kommt mit seinem Protokoll der (sprachlichen) Eskalation kaum noch hinterher. Aber er belässt es nicht bei der Buchführung: Unter Rückgriff auf Fragen nach Klasse, Herkunft und Ökonomie versucht er zu verstehen, wie Österreich zum Prototyp rechter Subjektbildung in Europa werden konnte. Es entsteht eine wütende, bisweilen ironisch bissige Intervention in jenem Wahljahr, in dem Herbert Kickl der erste rechtsextreme Bundeskanzler in Österreich seit 1945 werden könnte."Die Geschichte wiederholt sich immer zweimal, right? Das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. In Österreich wiederholt sich nur noch die Farce, und die vergisst irgendwann ihr Gesicht und wird wieder zur Fratze, zur Groteske."
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 28.09.2024
Rezensent Uwe Mattheiß scheint berechtigt zu finden, auf welche Weise sich Thomas Köck dem Thema Rechtspopulismus in Österreich widmet, der für Köck gleichsam das "Modell" für jeglichen anderen Rechtspopulismus sei. Der österreichische Dramatiker hangelt sich darin innerhalb eines Jahres an tagtäglichen verharmlosten "Regelverletzungen" von rechten Politikern entlang und ziele dabei vor allem auf die Sprache als Teil des "vorpolitischen" Raumes ab, der von rechter Seite vereinnahmt werde und die öffentliche Wahrnehmung schon tiefgreifend präge, bevor irgendjemand tatsächlich an die politische Macht gelange. Das scheint Mattheiß inhaltlich auf jeden Fall angebracht zu finden , er sieht hier auch zumindest das Potenzial zu "möglicherweise brillanten Essays", lässt dann aber durchblicken, dass Köck ihm etwas zu sehr von der eigenen Subjektivität her schreibt. Immerhin "eignet" sich das Buch für ihn zu zeigen, dass sowohl die neoliberale Ökonomie als auch die liberale "Erzählung von Vielfalt und Chancengleichheit" Ungleichheit und autoritäre Verhältnisse befördern - für den Kritiker anscheinend eine wertvolle Einsicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.09.2024
Erschreckend, was Thomas Köck in diesem Buch zusammenträgt, findet Rezensentin Christiane Lutz. Der Österreicher notiert hier, einfach nur, was in seiner Heimat und in Deutschland in Sachen Rechtsruck passiert ist in den Jahren 2023 und 2024. Köck tritt dabei schlicht als Medienkonsument auf, so Lutz, sein Buch lässt nachvollziehen, wie Worte wie "Remigration" in den Diskurs Einzug hielten, und wie fremdenfeindliche Parolen eine Auseinandersetzung mit Sachthemen verdrängten. Auch um den FPÖ-Chef Kickl, im Buch nur kleingeschrieben "herbert" genannt, hat einige Auftritte, wobei durchaus auch Themen wie Klassismus oder auch das Theater vorkommen. Man kann in diesem Text Köcks Denkprozesse nachvollziehen, erkennt Lutz, wobei nur sehr selten vorsichtig zuversichtliche Gedanken auftauchen. Dass sich vieles, was Köck schreibt, unfertig anfühlt, liegt nur in der Natur der Sache, meint die Rezensentin, die das Buch insgesamt für sehr gelungen hält.