Völkisch, nationalistisch, unberechenbar: Der "Flügel" um Björn Höcke und Andreas Kalbitz, die Sammlungsbewegung der äußersten Rechten in der AfD, ist trotz der offiziell verkündeten Auflösung nach wie vor ein wichtiger Machtfaktor und Radikalisierungsmotor. Die öffentlichkeitswirksame, vom Parteivorstand "gewünschte" Trennung vom rechten Flügel, scheint geeignet, die "Salonfähigkeit" der AfD zu unterstreichen. Geht man womöglich einvernehmlich, die besseren Chancen für den Wahlkampf im Blick? Haben sich die Flügel-Leute tatsächlich von ihrem Anspruch verabschiedet, den politischen Kurs der AfD zu bestimmen? Zweifellos dominieren die Extremisten das Bild der AfD in der Öffentlichkeit, dennoch bleiben sie eine Blackbox. Auf welche Kräfte aus Neonazi-Kreisen, aus der Medienszene um rechte Verleger wie Kubitschek, aus der Bewegung der Identitären stützt sich der rechte Flügel? Die Journalistin Eva Kienholz hat undercover Veranstaltungen des Flügels und der Neuen Rechten besucht. Ihre Analysen belegen: Höcke & Co. unterwandern die AfD - und könnten schon bald die gesamte Partei übernehmen. Wer in naher Zukunft der gefährlichste Mann Deutschlands werden könnte, warum der Aufstieg einst tot geglaubte Rechtsextreme wieder ins Zentrum des politischen Geschehens rückt und wie es so weit kommen konnte - all das verrät dieses Buch.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.10.2020
Rezensent David Begrich lernt die Mechanismen der AfD kennen mit dieser Reportage der Journalistin Eva Kienholz. Wie die Kooperation zwischen AfD-Leuten und "Identitären", die Impulse durch Götz Kubitschek oder die Verbindungen zu Pegida den Rechtsruck der Partei vorantrieben, kann die Autorin dem Kritiker ebenso verdeutlichen, wie sie Wortführer wie Andreas Kalbitz oder Björn Höcke analysiert und deren Narrativ vom "unpolitischen Menschen" dekonstruiert. Die "dichten" Beschreibungen der "Flügel"-Treffen sowie die Gespräche mit ehemaligen AfD-Funktionären liest Begrich ebenfalls mit Interesse. Neben dem Fehlen eines Literatur- und Quellenverzeichnisses beklagt der Rezensent allerdings auch, dass Kienholz das innerparteiliche Wechselspiel zwischen "taktischer Provokation" und rechter Überzeugung zu wenig beleuchtet.
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