Eine kurze Geschichte der AfD
Von der Eurokritik zum Remigrationsskandal

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498007348
Gebunden, 272 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Als sich die AfD im Februar 2013 in einem Gemeindesaal in Oberursel gründete, ahnte niemand, wie sehr die 18 Anwesenden damit Deutschland verändern würden. Entstanden als wirtschaftsliberale Partei, hat sich die AfD seitdem in mehreren Wellen radikalisiert. Früher überlegte Bernd Lucke, wie er den Euro wieder loswerden könnte, heute agitiert Björn Höcke für die "Remigration" von Menschen mit Migrationshintergrund. Trotzdem, oder gerade deswegen, hat die AfD in der Gunst der Wählerinnen und Wähler beständig zulegen können. In Sachsen, Thüringen und Brandenburg könnte sie im Herbst zur stärksten Kraft aufsteigen.Eva Kienholz zeichnet die Entwicklung der Partei nach, die sich immer weiter nach rechts bewegt hat und nun offen nach der Macht im Land greift. Ein Buch zum Verständnis der politischen Landschaft in Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2024
Ein lehrreiches Buch über die noch kurze Geschichte der AfD hat Eva Kienholz laut Rezensentin Anna Nowaczyk geschrieben. Und zwar entlang von fünf Karrieren innerhalb der Partei, deren erste, wie wir lesen, die Bernd Luckes ist. Der Mitgründer wurde ebenfalls wie später Frauke Petry von Björn Höcke aus der Partei gedrängt, dessen rechter Flügel früh zu einem wichtigen Machtpol innerhalb der Partei wurde, lernt Nowaczyk. Höcke selbst bekommt kein eigenes Kapitel, ist aber dennoch quasi die Hauptfigur des Buches, erfahren wir, da sich im Umgang mit ihm das Schicksal der einzelnen Parteiführer entscheidet. Nowaczyk vermisst weitergehende, zum Beispiel soziologische Analysen, die den Erfolg der Partei bei den Wählern erklären könnten. Dennoch ist Kienholz der Rezensentin zufolge ein exakter, kleinteiliger und angesichts der radikalen Entwicklung der Partei angemessen düsterer Blick auf die Machtkämpfe innerhalb der AfD geglückt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.08.2024
Rezensent Bodo Morshäuser lobt die Herangehensweise, mit der Eva Kienholz den Aufstieg der AfD nachzeichnet, chronologisch, ohne Naserümpfen und Moralisieren, auch ohne Interpretation, dafür mit erklärenden Zitaten. Auf der Strecke bleibt dabei allerdings eine Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen zwischen AfD und anderen Parteien, kritisiert Morshäuser. Sichtbar werden für ihn: der Personalverschleiß in der Partei und ihre Radikalisierung. Und Morshäuser wird klar: AfD-Wähler wollen diese Radikalisierung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.08.2024
Tanjev Schultz stellt in seiner Rezension drei Sachbüchern über die AfD vor, die er für unterschiedlich gelungen hält: "Angriff auf Deutschland" von Michael Kraske und Dirk Laabs, Philipp Ruchs "Es ist 5 vor 1933" sowie Eva Kienholz' "Kurze Geschichte der AfD". Die Publizistin Eva Kielhorn liefert laut Schultz zahlreiche Belege für die Verfassungsfeindlichkeit der AfD und erzählt überzeugend die Geschichte von deren wachsender Radikalisierung. Doch leider erschöpft sich ihr Buch laut Rezensent zum einen in der chronologischen Darstellung von Parteitagssitzungen und Vorständen, ohne weiterreichende Analysen zu bieten. Und zum anderen in einem Dauerfeuer aus Skandalen. Die Empörung ist ja berechtigt, denkt sich der Kritiker, hilft aber auch nicht weiter. Denjenigen, die das Phänomen AfD bislang verschlafen haben, oder die jung genug sind, sich erstmals mit ihr zu beschäftigen, kann Schultz das Buch allerdings empfehlen.