Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2006
Friedrich Wilhelm Graf hätte die Papstrede pur schon gereicht, die Kommentatoren wiederholen seiner Ansicht nämlich bloß, was der Papst zuvor schon bündiger gesagt hat. Die Änderungen in dieser überarbeiteten Fassung fallen "subtil" deeskalierend aus, der Rezensent befürchtet keinen neuerlichen Aufruhr. Ohnehin gehe es in der Rede mehr um innerchristliche Angelegenheiten wie die Enthellenisierung als um den Islam. Der Hinweis auf die reine Transzendenz des islamischen Gottes findet Graf dann auch fraglich. Joseph Ratzinger rede hier mehr als systematischer Theologe denn als Papst. Religionspolitik wird trotzdem betrieben, und zwar nicht zu knapp. Im Endeffekt spreche Ratzinger hier nämlich den 400 Millionen Protestanten die Christlichkeit ab, staunt Graf, da sie die Verbindung zum Griechentum gekappt haben. Ob man damit nun einverstanden ist oder nicht, Graf würdigt den "konfessionspolitischen Wagemut" Ratzingers und die zu größten Teilen "bewundernswerte Stringenz" seiner Argumentation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2006
Etwas merkwürdig kommt dem Rezensenten diese Korrektur des quasi himmlischen Wortes schon vor. Ob das Zurechtrücken Kaiser Manuels II. zur Integrationsfigur des christlich-islamischen Dialogs gelingt? Christian Geyer hat so seine Zweifel. Das Umbiegen des folgenreichen Zitats in der Regensburger Rede Benedikts XVI. zum "Akt sprachlicher Gewalt" jedenfalls scheint Geyer schmunzeln zu lassen. Er hofft nun, dass die erklärenden Fußnoten, die ausdrückliche Ablehnung der von Manuel gewählten "schroffen" Form und der zusätzlich eingebrachte Hinweis darauf, dass der Islam nicht das Thema der Rede sei, genügen, um die problematische Stelle zu entschärfen.
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