Deutsch, ukrainisch, rumänisch und englisch. "Schwarze Milch der Frühe ...": Paul Celans "Todesfuge" ist ein Mahnmal für die Shoa - eine Grabschrift für jene, die kein Grab haben, wie seine Mutter, zu Tode gekommen bei der Deportation nach Transnistrien. In dieser nahezu unbekannten Region wurden zwischen 1941-1944 im rumänischen Holocaust bis zu 410.000 bukowinische und bessarabische Juden umgebracht. In größter Not schrieben die Opfer im Winter 1941, kurz nach Errichtung der Lager, um Hilfe: 213 Briefe an die zu Hause Verbliebenen - sie kamen nie an. Die ungehörten Hilferufe wurden von rumänischen Gendarmen am Bahnhof Czernowitz abgefangen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Erschütternd, aber auch eine Sensation sind diese Briefe rumänischer Juden aus den Todeslagern Transnistriens für Dirk Schümer. Dass die Briefe, die ihre eigentlichen Adressaten nie erreichten, nun an das Schicksal ihrer Absender erinnern, hält er für ein Geschenk. Umso mehr, als Schümer die vollständigen Briefe in fotografischer Dokumentation und vierfacher Transkription lesen kann. Die geschilderten Lebens-, nein Sterbensbedingungen und die aus den Texten sprechende verzweifelte Hoffnung rauben dem Rezensenten allerdings den Atem. Wie sehr die dem Tod ins Auge sehenden Menschen sich Humanität und Individualität bewahren, erfüllt ihn mit Achtung.
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