Deutsch von Hans-Dieter Gondek. "Die Anbetung der Hirten" ist ein Lehrstück hinsichtlich einer psychoanalytischen Ästhetik, die die von Lacan im Seminar über Die Ethik der Psychoanalyse skizzierte Theorie der Sublimierung entfaltet und weiter ausarbeitet. Und dies in einer tour de force, die die Auseinandersetzung mit den philosophischen Ästhetiken von Kant über Hegel und Schelling bis Heidegger, Merleau-Ponty und Derrida nicht scheut. Im Mittelpunkt steht Rembrandts Die Anbetung der Hirten, in deren Verteilung des Helldunkels sich eine Symbolisierung des Todes zu erkennen gibt. Die Spannweite der behandelten ästhetischen Problemstellungen reicht vom alten, auf Descartes zurückgehenden Streit um den Vorrang der Umrisslinie gegenüber den Farben bis zu Lacans rätselvollen Überlegungen zum Verhältnis von Auge und Blick.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2001
Als Anreiz für einen Rekurs auf Rembrandt will Fritz Göttler zwei bereits im vergangenen Jahr erschienene Bücher in Erinnerung rufen: "Rembrandts Augen" von Simon Schama und Bernard Baas' Studie "Die Anbetung der Hirten oder Über die Würde des Helldunkels". Leider hat Göttler nichts als Kino im Kopf. Und so fällt ihm zu der an sich höchst spannenden Doppel-Signifikanz der von Baas mit Lacan, Heidegger und Valéry in Augenschein genommenen Radierung neben ein paar dem Band entliehenen Zitaten nur ein taubes "Gemaltes Kino eben" ein. Wirklich nicht viel. Schama dagegen findet Göttler richtig "cool, weil er in seinem Riesenwerk immer wieder in die Close-up geht." Getipptes Kino eben, samt "Vertigo-Effekt", was heißen soll, dass "Schama sich in die Bilder hineinschraubt" oder der Leser - in die Bilder oder den Text. Denn in jedem Fall ist Schama "ein Suchender eher als ein Wissender." Genau wie der Rezensent.
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