Herausgegeben von Petra Krusell. Bernard Wittmann: Ingenieur, Familienvater, ehemaliger KZ-Häftling und fleißiger Briefeschreiber. In einer Zeit, die der Brieftaube näher zu liegen scheint als dem Telefon, und die doch erst ein halbes Menschenleben entfernt ist, baute er im irakischen Kurdistan zehn Jahre lang Straßen, Brücken und Freundschaften. Kein soziologisches oder historisches Vorurteil, keine politische Agenda verstellt Wittmann den Zugang zu dieser fremden Gesellschaft: Ihm reichen gute Nerven, Karl-May-Lektüre und gesunder Menschenverstand um Kurdistan begreifen und schätzen zu lernen. Dann kommt die Revolution von 1958, der Barzani-Aufstand, Umstürze. Krieg in Kurdistan! Bald werden nicht nur Nachbardörfer ausradiert, auch das Camp der Straßenbauer gerät zwischen den Fronten unter täglichen Beschuss.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2009
Für Heinz Odermann gehören diese von der Tochter des Autors herausgegebenen Briefe aus Kurdistan 1954-1963 zu den besten Berichten und Erzählungen aus diesem Land. Sind Karl Mays Spuren in den Texten für den Rezensenten auch erahnbar, so streicht Odermann doch ihre absolute Originalität heraus. Wenn Bernard Wittmann seiner Tochter von den Abenteuern beim Bau der Nordstraße in Kurdistan-Irak erzählt, ist das für Odermann anschaulich und zugleich immer auch ein Beweis für die Einfühlsamkeit des Deutschen und seine Liebe für das Land und die Verbundenheit mit den Menschen, ob Emir, Stammesfürst oder Bauer. Bemerkenswert findet Odermann nicht zuletzt, wie die von Wittmann geschilderten politischen Probleme von damals den heutigen gleichen.
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