Der Autor der Indianergeschichten war des jungen Josef Winkler Lektüregott. Als der älter und selber Autor Gewordene ein halbes Jahrhundert nach seiner ersten Begegnung die drei "Winnetou"-Bände sowie "Weihnacht" wiederlas und die Bilder Sascha Schneiders betrachtete, entstanden vier Nacherzählungen der wichtigsten Szenen. Eingeleitet werden sie von der Titelgeschichte "Winnetou, Abel und ich", die noch einmal in Winklers Kärntner Indianerkindheit zurückführt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.01.2015
Etwas spröde findet Judith von Sternburg Josef Winklers Liebeserklärung an Karl May. Macht aber nichts, denn Sternburg merkt schnell, wie die Sprödigkeit Vehemenz erzeugt und wie Winkler seine Winnetou-Initiation und -Prägung mit Erinnerungen an seine Jugend und den Vater verbindet. Nur die Frage, wieso Karl May eigentlich so wichtig war für den Autor, findet Sternburg im Buch leider nicht beantwortet. Auch nicht in den "fast ironiefreien" Nacherzählungen von vier Winnetou-Episoden im zweiten Teil des Bandes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2014
Jan Koneffke liest Karl May, und zwar in der Nacherzählung durch Josef Winkler. Das bringt dem Rezensenten neben erkenntnisreichen Unterschieden zwischen den Versionen ein Wiedersehen mit Winklers Kindheit und Jugend unter der Fuchtel der Familie und des Katholizismus. So obsessiv Winkler von dieser Hölle berichtet, so überrascht zeigt sich Koneffke von der in diesem Band erkennbaren Wehrhaftigkeit (er stiehlt sogar den Karl May) und Produktivität des Bauernbuben, dessen Genese zum Schriftsteller der Rezensent hier beiwohnt. Beeindruckt hat ihn beim Lesen aber auch das frühe Bewusstsein des Autors von der Auflösung der Kindheitswelt.
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