Proust war ein sehr genauer Beobachter - seiner selbst und der Vorgänge um ihn herum. Die Diskrepanzen zwischen Schein und Sein, die Banalitäten, die die 'Spitzen' der Gesellschaft manchmal von sich geben, sind ihm nicht entgangen, und er schildert sie amüsiert und mit feiner Ironie, die ihn zuweilen, wenn er aus seinem Werk las, selber in schallendes Gelächter ausbrechen ließ. Und: Proust ist fähig zur Selbstironie.
Außer vergnüglichen Passagen aus Prousts Hauptwerk enthält diese kleine Anthologie auch Briefe ("Geben Sie Nachricht, Pözeficht") und (Gelegenheits-)Gedichte, die den Autor von seiner witzig-verspielten Seite zeigen.
Nie, meint Rezensent Franz Schuh, habe er so gelacht wie beim Lesen von Bernd-Jürgen Fischers Sammelband bestehend aus erquicklichen Passagen aus Marcel Prousts Hauptwerk, einigen humoristischen Gedichten, ergänzt durch unterhaltsame Briefe Prousts an Verwandte und Bekannte. Schallend musste Schuh zum Beispiel über einen Brief lachen, in dem der Schriftsteller seinem Großvater erklärt, er brauche dringend 13 Franc, um im Bordell eine unschöne Angewohnheit zu bekämpfen, die Masturbation. Wer ein Menschenkenner und Moralist und dabei so originell wie Proust ist, muss zwangsläufig im Verhalten der Leute die "comédie humaine" erkennen, lernt der Rezensent und lächelt noch beim Zuschlagen dieses lesenswerten Büchleins.
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