Bernhard Böschenstein

Von Morgen nach Abend

Filiationen der Dichtung von Hölderlin zu Celan
Cover: Von Morgen nach Abend
Wilhelm Fink Verlag, München 2006
ISBN 9783770542611
Gebunden, 377 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

Hölderlins Umgang mit Sophokles, Trakls Verschwisterung Hölderlins mit Rimbaud, Celans spurenreiche Silbenpartituren: drei beispielhafte Glücksfälle der poetischen Innovation durch Lektüren. Die vorliegenden Studien sind der vergleichenden Übersetzungs- und Rezeptionsforschung solcher Konstellationen gewidmet. Sie zeichnen in intensiven Textanalysen die kühnsten Stationen deutscher Lyrik um 1800, um 1900 und um 1960 nach. Schön / Und lieblich ist es zu vergleichen, sagt Hölderlin in seiner Hymne "Der Einzige". Hier wird er vor allem in seiner übersetzerischen Begegnung mit Pindar und Sophokles und in seiner Wirkung auf George, Rilke, Trakl und Celan vorgestellt. Beide Bewegungen ergeben zusammen die Richtung von Morgen nach Abend. Die auf Hölderlin antwortenden Dichter und mit ihnen Hofmannsthal sind auch untereinander im Gespräch. Sie werden im gemeinsamen Bezug zu Frankreich und Italien, in ihrer Übersetzungstätigkeit und Selbstreflexion dargestellt. Von den vier Dichtern um 1900 unterscheidet sich der sie zuerst beerbende, dann widerrufende Celan als Zeuge einer Zäsur. Wie bei ihm Kontinuität in notwendige Diskontinuität umschlägt, erweisen zuletzt Analysen seiner Gedichte und ihrer Poetologie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Schon im Titel seines Sammelbandes mit Aufsätzen und Vorträgen zeigt Bernhard Böschenstein an, dass er sich vor allem als Ahnenforscher versteht, meint Roman Luckscheiter. Für den Literaturwissenschaftler zeichnen sich die großen lyrischen Werke dadurch aus, dass sie sich in eine Reihe von Vorgängern stellen und ihrerseits eine literarische Nachkommenschaft zeugen, erklärt der Rezensent. Gerade in der Anverwandlung bereits vorhandener Texte für das eigene Werk beispielsweise bei Georg Trakl, Paul Celan oder Hugo von Hofmannsthal entstünden nach dem Autor die "epochalen Innovationen" in der Dichtung, so Luckscheiter weiter. Dass sich das Aufspüren literarischer Spuren in den Werken nachfolgender Lyriker auf reine Intuition oder Vermutungen gründet, liegt nach Ansicht des Rezensenten auf der Hand, aber das will er Böschenstein gar nicht negativ anrechnen. Dessen vehemente Ablehnung der Vorstellung einer autorenfernen "Intertextualität", der er eine "Theorie der Intergenialität" entgegensetzt, findet der Rezensent zumindest sehr charmant und er zeigt sich von der Unbeirrbarkeit des Autors beeindruckt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…