Das Ich galt der Tradition als Quell aller Wahrnehmung und poetischen Schöpfung. Seit Nietzsche aber wird ein mit sich identisches Selbstbewusstsein bezweifelt. Doch Valery, Rilke, Celan und Beckett glauben nicht an den Tod des Subjekts und suchen die subjektive Bedingung des Schreibens neu zu fundieren. Dabei zeigt sich, dass ein Ich selbst dann vorausgesetzt werden muss, wenn es begrifflich nicht erfasst werden kann. Die Studie analysiert vier exemplarische Prosawerke und legt dar, wie das Problem der Selbstbegründung noch literarische Form und Methode diktiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2005
Sandra Pott beginnt mit sehr viel Sympathie für Marcel Krings? Projekt, den von der Postmoderne deklarierten "Tod des Ich" zu ignorieren und sich dem Subjekt im Idealismus zuzuwenden. Damit jedenfalls ist die "Egologie" beschäftigt, in die Krings ausführlich einführt, bevor er sich seinen Autoren zuwendet. Doch dann die Enttäuschung: Es geht gar nicht um die "Poetik des Ich", wie im Titel versprochen, sondern um das "Scheitern solcher Entwürfe" - von Valery, der sich noch wehrte, bis Beckett, der es mit parodistischen Mitteln konstatierte. Außerdem stellt die Rezensentin einen Bruch zwischen Theorieteil und Einzelstudien fest - beide wollen nicht so recht zueinander finden, und zwar einfach deshalb, weil beispielsweise Rilke nicht Kant oder Fichte las. Fazit: gute Werkinterpretationen, aber der Arbeit insgesamt fehlt es an Richtung und Erkenntniskraft.
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