Seit der Moderne entdeckt die europäische Literatur das Triptychon als eigenständige literarische Form, deren Poetik das vorliegende Buch erstmals skizziert. Während das dreiteilige Format in der bildenden Kunst bereits im Mittelalter bekannt ist, wird es seit dem 19. Jahrhundert in einer transmedialen Bewegung aus seinem ursprünglich religiösen Kontext gelöst und säkular umgedeutet. In ausführlichen Analysen dramatischer und Prosatexte von Max Frisch, Tankred Dorst, Heiner Müller, W. G. Sebald, Esther Kinsky und Claude Simon werden die dezidiert literarischen Potenziale und Funktionen dieser Form herausgearbeitet. So werden herkömmliche Dramen- und Erzählmuster über die triptychiale Anordnung herausgefordert und neu imaginiert. Ein besonderer Fokus der Studie liegt auf den zahlreichen Bezügen zwischen visueller Kultur und Literatur sowie auf der spezifischen Materialität der Texte, denen sich nicht zuletzt über Bildmaterial, Manuskripte und graphische Vorarbeiten zugewandt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2023
Rezensent Niklas Maak applaudiert Sophie König dafür, der "eng durchackerten" Literaturtheorie mit ihrem Buch tatsächlich eine neue Perspektive hinzuzufügen. Und zwar geht es um das Triptychon in der Literatur; nicht als Gegenstand des Erzählens, sondern als erzählerisches Verfahren. Wie die Literaturwissenschaftlerin ausgehend von Beispielen vor allem der modernen Literatur (zum Besipiel Virginia Woolfs "To the Lighthouse", Claude Simons "Triptyque" oder Sebalds Prosagedicht "Nach der Natur") eine regelrechte Veränderung des Denkens auffaltet, die sich so aus der Malerei in die Literatur hinübertrug - nämlich weg von Linearität, Kohärenz und Determiniertheit hin zu Gleichzeitigkeit, Faltung und nicht-kausalem Zusammenhang -, empfindet der Kritiker als höchst bereichernd und originell. Das "emanzipatorische" Potenzial des Triptychons so herauszuarbeiten, hält er für die grüßte Leistung des Buchs. Auch andere Aspekte von Königs Ausführungen etwa zum Verhältnis von Sakralem und Profanem in dieser Form findet Maak erhellend. Ein Geschenk Literatur und Literaturtheorie, schließt er.
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