"Harmonisch entgegengesetzt" ist ein Grundwort der Hölderlinschen Poetologie und als das Verhältnis von Einheit und Differenz zugleich die Grundstruktur von "Darstellung" in der abendländischen Philosophie und Dichtung. Die Monografie arbeitet dieses zentrale Verhältnis in Bezug auf sämtliche theoretische Schriften sowie bedeutende poetische Texte Hölderlins (Hyperion oder Der Eremit in Griechenland, Wie wenn am Feiertage… und Hälfte des Lebens) heraus und bestimmt es in Rückgriff auf Platon und Heraklit in seiner spezifisch Hölderlinschen Ausprägung. Diese originäre Deutung des Darstellungsverhältnisses kommt ab der Endfassung des Hyperion in ihrer vollen Reichweite zum Tragen und hält sich in ihrer Hauptstoßrichtung bis in die Sophokles-Anmerkungen und die späten Gesänge hinein durch. In ihr liegt der Zielpunkt der poetologischen Erörterungen wie der Dichtungen Hölderlins, nämlich die Begründung und das "Fühlbarmachen" der Überlegenheit eines poetischen gegenüber einem diskursiv-philosophischen Sprechen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2009
Einiges gelernt hat Tübinger Literaturwissenschaftler Manfred Koch aus dieser Studie Marion Hillers zu Hölderlin. Im Mittelpunkt der Untersuchung sieht Koch eines von Hölderlins Lieblingsmotiven: den Bogen des Pfeilschützen, dessen entgegengesetzte Enden eine einheitliche Kraft erzeugen. An diesem Motiv verdeutlicht die Autorin für Koch überzeugend, was der Begriff "harmonisch entgegengesetzt" in Hölderlins philosophischen Fragmenten, dem "Hyperion"-Roman und den Gedichten heißt. Den Höhepunkt der Studie sieht Koch in der neuen Deutung des Gedichts "Hälfte des Lebens", das Hiller als einen "Bogentext" lese und als eine "tragische Gesamtdeutung des menschlichen Lebens" interpretiere.
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