Die durch Pakt und Vertrag besiegelte offizielle Freundschaft zwischen Hitlerdeutschland und der Sowjetunion zwang die kommunistische Bewegung zu einem unmöglichen Spagat zwischen Anpassung und Antifaschismus. Erst der Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion führte zu einem offensiven Kampf gegen die Nationalsozialisten. Als die Komintern im September 1939 den "französisch-englischen Imperialismus" zum Hauptfeind erklärte und nicht den Aggressor Hitlerdeutschland, waren nicht nur Kommunisten geschockt. In Deutschland weitgehend unbekannte Dokumente, eine Chronik und Kommentare der Herausgeber belegen die Perversion von Denken und Handeln, die Absage an Internationalismus und Solidarität. Thälmann und andere Kommunisten wurden verraten, unangepasste Intellektuelle unterdrückt. Ulbricht forderte, das Wort "Nazi" aus dem Wortschatz der KPD zu streichen. Die Komintern schwieg zu KZs und Judenverfolgung. Stalins Doppelstrategie - willkürliche Neuaufteilung der Welt mit Hitler und Instrumentalisierung der kommunistischen Parteien für seine Ziele - forderte hohen Blutzoll. Hitlers Angriff auf die Sowjetunion zwang zu einer radikalen Wende: eine neue Symbiose von Patriotismus und Antifaschismus, die alle Kräfte zur Verteidigung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2009
Erhellend findet Manfred Zeidler diese von Bernhard Bayerlein vorgelegte Quellensammlung zur Geschichte der Komintern und der kommunistischen Parteien während des Hitler-Stalin-Pakts. Beeindruckend verdeutlicht der Band für ihn mit einer Fülle von Dokumenten die "ideologische Selbstamputation", die dieser Pakt für die Linke in Europa darstellte. Zeidler beschreibt Bayerleins Perspektive als die der europäischen Linken, die "durch Moskaus pure Machtpolitik" in ihren Idealen betrogenen wurde. Das verleiht dem Band seines Erachtens einen "anklägerischen Grundton". Allerdings wertet er dies nicht weiter negativ, da es für ihn die Relevanz des Bands als Materialsammlung für die Geschichte der Komintern nicht beeinträchtigt.
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