Josef Stalin (1878 - 1953) ist für den Tod von Millionen von Menschen verantwortlich. Aber sein Name ist auch untrennbar verbunden mit der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Der Weltkriegshistoriker Geoffrey Roberts hat der Stalin-Ära Jahrzehnte intensivster Forschung gewidmet. Der Bogen seines großen Geschichtswerks spannt sich vom Hitler-Stalin-Pakt (1939) über die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs bis zum Koreakrieg (1950 - 1953). Stets fragt der Autor nach der persönlichen Rolle Stalins, geht seinen Erfolgen und seinen katastrophalen Fehlern auf den Grund.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2009
Ungemein anregend findet Rudolf Walther dieses Buch. Dass es an kritischen Darstellungen zu Stalins Kriegen nicht mangelt, weiß Walther. Um so sinnvoller erscheint ihm der Ansatz Geoffrey Roberts', diese Kriege einmal aus Stalins Perspektive heraus betrachten, also von oben anstatt immer nur von unten. Der These des Bandes, derzufolge Stalin alles andere als irrational agierte, folgt Walther freudig. So will er auch gelernt haben, dass Stalin - "im Unterschied zum fanatischen Egomanen Hitler" - durchaus vernünftig war und meistens seinen "erfahrenen Generälen vertraute" - dass er sie andernfalls hat umbringen lassen, verschweigt der Rezensent vornehm, auch Massaker wie das von Katyn spielen hier keine Rolle. Wie Roberts Darstellung Stalins als effizienten Kriegsherren auch ein neues Licht auf seine Rolle im Kalten Krieg wirft, findet Walther ebenfalls bedeutsam.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2009
Vor diesem Buch möchte Jörg Baberowski uns warnen. Geoffrey Roberts' Wunschvorstellung, Geschichte nicht als Interpretation, sondern als Zeitzeugenwahrnehmung zu schreiben, kommt ihm mindestens merkwürdig vor. Oder hat der Autor vielleicht mit Stalin gesprochen? Allzu simpel, findet Baberowski, versuche Roberts so, die Zweifel hinwegzufegen, die dem Rezensenten immerhin kommen. Den weitsichtigen Strategen und Friedensstifter, als den der Autor Stalin in diesem Buch zeichnet, kann der Rezensent jedenfalls beim besten Willen nicht erkennen. Dafür, so gibt er zu verstehen, müsste man schon die gesamte historische Forschung ausblenden. Dass Roberts ebendies tut und seine Überzeugungen aus den Memoiren sowjetischer Generäle und Stalins eigenen Verlautbarungen zusammenzimmert, hält Baberowski für eine Schnapsidee.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2008
"Allzu wohlwollend" findet Rezensent Michael von Ledebur das Licht, das Geoffrey Roberts hier auf "eine der brutalsten Figuren der Weltgeschichte" wirft. In seinem Buch geht es dem britischen Historiker nach Informationen des Rezensenten darum, Stalin zu "entdämonisieren" und seine entscheidende Rolle im Zweiten Weltkrieg zu würdigen: Stalin sei ein großer Motivator gewesen und die Fehler zu Beginn des Krieges habe er nicht allein zu verantworten. Auch glaube Roberts, dass Stalin viel friedliebender gewesen sei als die westlichen Mächte und auch innenpolitisch - nach einigen repressiven Ausrutschern in den 30er Jahren - auf Entspannung ausgerichtet. Die Teile des Buches, die sich auf die sowjetische Kriegsführung beziehen, hat der Rezensent nach eigenem Bekunden mit einem gewissen Gewinn gelesen, von Roberts historischem Urteilsvermögen zeigt er sich im Übrigen leicht entsetzt.
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