Bernhard Kleeberg (Hg.)

Schlechte Angewohnheiten

Eine Anthologie. 1750-1900
Cover: Schlechte Angewohnheiten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518296028
Kartoniert, 446 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Sie sind arbeitsscheu und abergläubisch, bilden sich nicht und zeugen zu viele Kinder, sie spielen, trinken und rauchen: Solche und ähnliche Qualifizierungen vermeintlich typischen Verhaltens der "anderen" seien es Angehörige fremder Ethnien, Nationen oder der Unterschicht verbinden sich häufig mit dem Hinweis, hier seien schlechte Angewohnheiten zur zweiten Natur geraten. In Kontexten der Fremd-, aber auch der Selbstdisziplinierung dienen "schlechte Angewohnheiten" der Markierung von Grenzen: der Willenskraft, der sittlichen Reife, der Klasse oder gar der Zivilisation, legitimiert unter anderem über wissenschaftliche, religiöse oder politische Wahrheitsinstanzen. Diese kommentierte Anthologie entfaltet die Wissensgeschichte dieser äußerst einflussreichen Diskursfigur anhand paradigmatischer Texte unter anderem von Montesquieu und Hume, Salzmann und Knigge, Lombroso und Ortiz.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.03.2013

Wie war das nur möglich, fragt sich Ralf Konersmann einigermaßen baff, dass der Mensch irgendwann dem Lotterleben entsagte und sich der Praxis der freiwilligen Selbstkontrolle unterwarf? Jede Menge Material zu dieser Fragestellung findet Konersmann in diesem vom Konstanzer Soziologen Bernhard Kleeberg herausgegebenen Band. Jede Menge Experten-Erläuterungen auch, die dem Rezensenten die Herausbildung der Sittlichkeit und guter Manieren näher bringen. Dass die Autoren nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern gleichfalls den subtilen Verschiebungen und ihren Befürwortern, Ärzten Juristen, Pastoren usw. nachspüren, die uns unsere individuelle Freiheit zugunsten allgemeiner Nützlichkeit drangeben ließen, findet Konersmann lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Von den schlechten Angewohnheiten kann die Rezensentin Wiebke Hüster ein Lied singen: E-Mails checken, während man eine Rezension verfasst - ganz schlecht. Ebenso wie die schlechte Angewohnheit des akademischen Geschwurbels, wie es in der "sogenannten Kulturwissenschaft" üblich sei und in der Einleitung dieses Bandes zutage trete. Dann jedoch Lichtblicke: "Durchaus erfreulich" findet Hüster, was sie aus Quellentexten erfährt zum Thema Spielsucht, Müßiggang, weibliches Viellesen (alles soziale und psychische Krankheiten) und zu den diversen Kurierungsmöglichkeiten dieser Leiden ("Willensgymnastik"!), wie sie die Kulturgeschichte anzubieten hat.
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