Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff. Klartext gegen die Lüge - George Orwell über Macht, Meinung und Moral Was ist Wahrheit - im Krieg, in der Politik, im Alltag? 1943 beendete George Orwell seine Arbeit für die BBC und wurde Feuilletonchef bei der Tribune. In den folgenden Jahren entstanden nicht nur seine Meisterwerke Animal Farm und 1984, sondern zwischen 1943 und 1949 verfasste er regelmäßig Kolumnen, in denen er mit klarem Blick und scharfem Verstand auf die drängenden Fragen seiner Zeit reagierte. Erstmals ins Deutsche übersetzt, zeigen sie einen der bedeutendsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts als hellsichtigen Zeitdiagnostiker. Kompromisslos, menschlich und pointiert schreibt er über Fortschritt und Moral, Verschwörungstheorien, soziale Ungleichheit oder Faschismus. Und wie Orwell vor 80 Jahren politische Manipulation, medialen Alarmismus oder gesellschaftliche Spaltung analysierte, wirkt heute wie ein erschreckend aktueller Kommentar zur Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2026
Nur mit dem deutschen Titel dieser Sammlung von Kolumnen George Orwells aus den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren kann Rezensent Tobias Döring wenig anfangen. Viel besser als "Zeilen der Zeit" liest sich jedenfalls der originale Kolumnentitel "As I Please" - denn Orwell schreibt hier wirklich nur über das, worüber er eben schreiben will, und sei es über seine Begeisterung für Kröten, oder, schließlich ist er Engländer, über Tee. Es geht freilich in oft kontroverser Manier auch um politische Themen, etwa wenn er erklärt, warum es politisch unklug ist, im Krieg den deutschen Feind hungern zu lassen. Döring meint manchmal regelrecht, die Raketen an Orwells Fenster vorbei fliegen zu spüren, so dringlich und eindringlich lesen sich die seinerzeit bei "The Tribune" erschienenen Texte. Anderes ist ursprünglich erst kurz vor Orwells Tod geschrieben, auch das findet der Rezensent berührend. Insgesamt ein spannender Band und ein Beweis, dass man Orwell nicht auf seine beiden weltbekannten Romane reduzieren sollte, schließt die Besprechung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2026
Regelrecht beglückt ist Rezensent Gustav Seibt nach der Lektüre dieser Edition der Kolumnentexte George Orwells. Konkret geht es um Arbeiten hauptsächlich aus den Jahren 1943 bis 1947, das heißt unter anderem aus der Weltkriegszeit. Um den Krieg geht es auch viel in den Texten, wobei nicht militärische Details im Zentrum stehen, sondern Fragen der Moral im weiteren Sinne. Man muss schon damit klarkommen, dass Orwell das Bombardement von Zivilisten unter gewissen Umständen befürwortet - während er klarstellt, dass das Motiv des Handelns im Krieg niemals Hass sein darf. Vielmehr setzt Orwell konsequent auf Großmut, und stellt außerdem klar, dass man sich grundsätzlich nie vor Beifall von der falschen Seite fürchten sollte. Insgesamt sind diese Texte, in denen Orwell sich konsequent gegen Totalitarismus in jeder Form positioniert, sehr gut gealtert, findet der hochzufriedene Rezensent.
Rezensent Christoph Vormweg bewundert George Orwells Klugheit, zu bestaunen in den in diesem Band versammelten Zeitungskolumnen aus den Jahren 1943 bis 1949. Orwells mahnenden Worten angesichts von Atombombe, Totalitarismus, Voreingenommenheit und Repression folgt Vormweg gerne und versteht sie als "brandaktuellen" Weckruf. Orwells engagierte, ironische Sprache findet er in der Übersetzung von Lutz-W. Wolff gut aufgehoben. Dessen Anmerkungen und Nachwort informieren den Rezensenten über die biografischen und historischen Hintergründe der Texte.
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