Bernhard Vogel, Hans-Jochen Vogel

Deutschland aus der Vogelperspektive

Eine kleine Geschichte der Bundesrepublik
Cover: Deutschland aus der Vogelperspektive
Herder Verlag, Freiburg 2007
ISBN 9783451292804
Gebunden, 319 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Hans-Jochen und Bernhard Vogel haben die Geschichte der Bundesrepublik von Anfang an erlebt. Als Betroffene und als Akteure. Den 8. Mai 1945 erlebte der eine als Kriegsgefangener in Italien, der andere als Schüler in Gießen. Politische Vorbilder wurden so gegensätzliche Persönlichkeiten wie Schumacher und Adenauer. Beider Wege führten in hohe Ämter. Die großen Daten von 60 Jahren deutscher Nachkriegsgeschichte sind verbunden mit Stationen auch ihres politischen Lebens. Adenauers Moskaureise, Mauerbau, Berlinblockade, die große Koalition und die 68er Bewegung tauchen auf, bis hin zur Wiedervereinigung. Aber auch persönliche Erinnerungen führen Zeitgeschichte im Gepäck: die erste D-Mark und das erste Auto, die Begegnungen mit Brandt und Wehner, Katastrophen wie die Entführung der "Landshut", das Blutbad von München, die Ramstein-Katastrophe oder der Mord am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Bei allen Unterschieden der Deutung - gemeinsam ist die Werthaltung, das Engagement und die leidenschaftliche Lust am Gestalten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2007

Mit Gewinn hat Ralf Husemann diese "kleine Geschichte der Bundesrepublik" der Brüder Bernhard und Hans-Jochen Vogel gelesen. Er erinnert an die höchst erfolgreichen politischen Karrieren der Brüder in SPD beziehungsweise CDU, die während ihrer aktiven politischen Laufbahn jeden gemeinsamen Auftritt vermieden haben. Schon darum scheint Husemann vorliegendes Buch "bemerkenswert". Wer nun allerdings erwartet, Vogel und Vogel würden hier die Klingen kreuzen, dürfte nach seiner Einschätzung enttäuscht sein. Statt den Dissens zu suchen, rät Husemann einfach, sich auf die jeweilige Perspektive einzulassen. Dabei werde man Unterschiede finden, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Schließlich leiteten beide ihre Grundwerte aus "christlichen Wurzeln" her und betrachteten die Geschichte der BRD "eine beispiellose Erfolgsgeschichte". "Spektakuläre neue Erkenntnisse" findet Husemann in dem Buch zwar nicht, wegen der zahlreichen interessanten Details lohne sich die Lektüre aber dennoch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2007

"Bemerkenswert" findet Rezensent Daniel Koerfer diesen Blick der Brüder Bernhard und Hans-Jochen Vogel auf sechs Jahrzehnte deutscher Zeitgeschichte. Die Idee, die beiden Politiker, die in der SPD beziehungsweise der CDU glänzende Karrieren hinlegten, sich im Wechselspiel erinnern zu lassen, scheint ihm recht gewitzt. Das Buch ist zu seiner Freude voll von treffenden Beobachtungen von politischen Weggefährten wie Willy Brandt und Herbert Wehner einerseits oder Helmut Kohl andererseits. Koerfer unterstreicht, dass Gegner und Niederlagen dagegen weitgehend ausgeblendet bleiben. Den Bericht über die Schleyer-Entführung hält er für besonders eindringlich: Während Hans-Jochen Vogel als Bundesjustizminister im Bonner Krisenstab saß, stand Bernhard Vogel als Freund und Vertrauter der Familie Schleyer in Stuttgart bei. Die jeweilige Schilderung lobt er als "dicht'" und  "bedrückend". Insgesamt würdigt er das Buch als ein "Hohelied der Bundesrepublik".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2007

Rezensent Robert Leicht mochte diese "kleine Geschichte der Bundesrepublik" aus der "bodennahen Zwei-Vogelperspektive", also der Perspektive von Hans-Jochen und Bernhard Vogel. Denn darin finden sich seinen Informationen zufolge nicht nur sehr persönliche , bewegende Mitschriften aus sechzig Jahren bundesrepublikanischer Geschichte, wie die Schleyer-Entführung, die Hans-Jochen als Mitglied von Helmut Schmidts Krisenstab, Bernhard als Freund und Berater der Schleyer-Familie miterlebte. Zwar leidet aus Sicht des Rezensenten der literarisch-politisch "Sex-Appeal" der Darstellung gelegentlich unter allzu großer Disziplin. Auch die lediglich als "Nanopartikel" auszumachende Selbstkritik mancher Rechtfertigung lässt Fragen beim Rezensenten offen. Trotzdem ist sein Gesamteindruck positiv.

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