Darf man von der "Erfolgsgeschichte" einer Institution sprechen, die Millionen von Menschen das Leben gekostet hat? Ist das angesichts der Gewalt und des Leids, das Millionen erfahren haben, nicht purer Zynismus? Die Welt der Lager ist keine Geschichte, sie ist Realität: Bis zum heutigen Tag sind Lager weltweit ein Instrument, dessen sich Diktaturen und Demokratien bedienen. Wie lässt sich die Langlebigkeit und Wandlungsfähigkeit dieser Institution erklären? Worin liegt ihre funktionale Attraktion über Zeiten, Kontinente und politische Systeme hinweg? Bettina Greiner und Alan Kramer haben ausgewiesene Spezialisten der Lager- und Gewaltforschung gebeten, sich ihrem Gegenstand neu zu nähern und dabei besonders jene Dynamisierungs- und Radikalisierungsprozesse in den Blick zu nehmen, die das Lager zu einem weltweiten Signum für das Repressionspotenzial des modernen Staates gemacht haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2014
So hat Christoph Klessmann die Geschichte der Lager noch nicht gelesen. Denn die beiden Herausgeber Bettina Greiner und Alan Kramer beschränken sich nicht auf die nationalsozialistsichen Vernichtunglager und die sowjetischen Arbeitslager. Sie weiten den Blick räumlich und zeitlich aus und nehmen Kriegsgefangenenlager, Flüchtlingslager und sogar Guantanamo mit in den Blick. Die damit einhergehende Provokation winkt der Rezensent durch. Instruktiv findet Klessmann nämlich, was er dabei über das Lager als Instrument von Herrschaft und Gewalt, von Repression und Umerziehung lernt, das fundamental zur Geschichte der Moderne gehört.
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