Im Zentrum der Studie steht der Strafvollzug in den Lagerhaftanstalten der DDR. Die Untersuchung bringt Licht in das weitgehende Dunkel, das die Arbeitslager in der DDR auch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten immer noch umgibt. Wann und warum entschied sich die Staatsführung bzw. das Gefängniswesen des ostdeutschen Staates dazu, Lager als Vollzugsanstalten einzurichten? Weitgehend unklar sind der Aufbau der Lager und die Art und Weise der Unterbringung der Gefangenen. Gefragt wird zudem nach den Menschen, die in den Lagern inhaftiert waren und nach dem Haftalltag. Welche Praktiken machten das tägliche Miteinander im Lager aus? Welche Möglichkeiten hatten Gefangene, das Leben im Lager mitzugestalten? Gab es Freiräume, Selbstbehauptung, Widerstand, Protest?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2011
Eine fundierte Untersuchung mit Schwächen hält der Rezensent in Händen. Zunächst einmal freut sich Günther Heydemann über einen Blick in weniger bekannte Ecken der SED-Diktatur, hier namentlich in die Vollzugsanstalten Unterwellenborn, Sollstedt und Regis. Beim Vergleich des DDR-Strafvollzugs mit bundesrepublikanischer beziehungsweise internationaler Praxis hält sich der Autor nach Empfinden des Rezensenten jedoch ein bisschen zu lange mit Begriffsuntersuchungen auf. Vor allem aber gerät Marcus Sonntag sein Werk laut Heydemann jedoch mitunter, wenngleich ohne Absicht, wie er vermutet, zur Relativierung des DDR-Unrechtssystems. Wenn es im Buch heißt, die desolaten Zustände der Haft seien meist den realen Verhältnissen geschuldet gewesen, weniger sozialistischer Absicht, findet Heydemann die politischen Gründe für die Haftstrafen und die Tatsache, dass es sich bei der DDR um eine Diktatur handelte, nicht differenziert genug betrachtet.
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