Birgit Birnbacher

Sie wollen uns erzählen

Roman
Cover: Sie wollen uns erzählen
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026
ISBN 9783552075214
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Oz ist anders, er hat ADHS und tut sich schwer in der Schule, aber diesmal ist ihm etwas wirklich Blödes passiert. Auf dem Heimweg wünscht er sich deshalb zumindest eine kleine Katastrophe, die seine Mutter von dem Brief der Lehrerin, den er ihr geben muss, ablenken würde. Als Oz nach Hause kommt, ist Ann - auch sie ausgestattet mit einem flirrenden Nervenkostüm - nicht wie vermutet in Zeugnis-Feierlaune, sondern es ist tatsächlich etwas passiert. Die Zilly-Oma, die in den Bergen lebt, ist weg …

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.05.2026

Oz und seine Mutter haben ADHS, das ist für den wahrnehmungsreichen neuen Roman von Birgit Birnbacher zentral, verrät Rezensentin Sophia Zessnik: Die Großmutter ist verschwunden, sie müssen sie suchen und sind damit überfordert. Davon schreibt Birnbacher in einer Sprache, die ganz die Perspektive der beiden einnimmt, ohne sie bloßzustellen oder zu pathologisieren, sie dürfen in ihrer eigenen Logik bleiben, wie Zessnik schildert. Nüchtern, ruhig, ohne Sentimentalität schreibt sie über Mutter und Sohn, die von anderen oft als sonderbar beschrieben werden, und erklärt deren Verhalten als Variante des Normalen, indem sie sich in ihre Perspektive hineindenkt, ohne sie erklären zu müssen. Darin liegt für die Kritikerin ein großer Gewinn dieses Buches, das auch zeigt, wie viel Politisches in den Erzählung über uns und andere steckt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.03.2026

In ihrem neuen Roman widmet sich Birgit Birnbacher Figuren, die aus der Reihe fallen, schildert Rezensentin Elke Schlinsog: Ann und ihr neunjähriger Sohn Oz haben ADHS, sie fallen auf, sie sind unkonzentriert, sie haben "knisternde Nerven." Um sich von ihren Schwierigkeiten im täglichen Leben abzulenken, erzählen sie sich wilde Geschichten, Birnbacher konzentriert sich im Roman auf die Innenwelt der beiden, die von Unruhe, aber auch von viel Witz und Kreativität geprägt ist, wie Schlinsog verrät. Rasant geht es um Umwetter, um abgehauene Großmütter, um grüne Männchen, die um ein Ferienlager-Feuer springen, erfahren wir. Die Kritikerin findet, dass wir von Birnbachers unangepassten, miteinander so liebevollen und kreativen Figuren eine Menge lernen können in dieser überforderten Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2026

Rezensent Rainer Moritz fühlt sich ausgesprochen wohl in diesem Buch der Österreicherin Birgit Birnbacher. Und das, obwohl dessen Hauptfigur Ann, eine Wissenschaftlerin mit stagnierender Karriere, die von ihrem Leben überfordert ist, ihm zunächst aus der Gegenwartsliteratur ein wenig zu vertraut erscheint. Ann hat einen Sohn, Ozzy, der ADHS hat, und deshalb Probleme in der Schule bekommt. Mit seiner Mutter teilt er eine "knisternde Nervosität" und ein enges Verhältnis, allerdings immer in ängstlicher Erwartung eines neuen Gefühlausbruchs von Ann. Eine Wendung bekommt die Geschichte, als Ann die Nachricht erhält, dass ihre Mutter Zäzilia verschwunden ist. Wunderbar und stilistisch hervorragend erzählt ist dieses Buch, schwärmt der Kritiker, das einem jenseits von moralischer Wertung Menschen nahe bringt, die in der einen oder anderen Form von der Norm abweichen. Eine lustige und mit "leichtfüßigem Ernst" erzählte Road-Novel, die Moritz wärmstens ans Herz legt. 

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