Bodo Morshäuser

Beute machen

Roman
Cover: Beute machen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518417416
Gebunden, 193 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Jeden Abend läuft die erfolgreiche Serie "Nebenan" im Fernsehen, jeden Tag sitzt Bruno Vegas in einer deutschen Filiale der größten Fernsehfabrik Europas und schreibt mit seinen Kollegen Folge um Folge. Er verliebt sich in Antonia, die erst seit kurzem für "Nebenan" arbeitet. Sie werden zu "Liebespendlern" zwischen zwei Städten. "Ein doppelter Raub bei gegenseitiger Beute", kommentiert sein Freund Siegel. Bruno hat vor, sich aus dem Daily-Soap-Geschäft zurückzuziehen. Antonia hat das Ziel, in der Firma Karriere zu machen. Was beiden gelingt, wird kein Gelingen für beide.
Ein Jahr nach der Trennung fährt er in Antonias Stadt. Genüßlich lässt er seine "Liebeskrankheit" Revue passieren. Siegel hatte ihn gewarnt, diese Reise anzutreten und seine "geglückte Trennung" zu gefährden. Was Gloria, eine frühere Kollegin, ihm dann über Antonias weiteren Weg erzählt, verschlägt ihm den Atem. Er rennt zum Bahnhof. Am nächsten Morgen beginnt Bruno diesen Bericht. "Als erstes hatte ich den Titel: Beute machen."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2006

Martin Krumbholz zieht ein gemischtes Fazit aus der Lektüre dieser Trennungsgeschichte. Einerseits findet er die nüchterne Art, mit der der Autor Bodo Morshäuser seinen Protagonisten das Ende einer Liebesbeziehung analysieren lässt, trotz ihrer Künstlichkeit "sehr gekonnt". Auf der anderen Seite fehlt es dem Rezensenten aber an "Konfliktstoff", das Fehlen der Liebe und die Abwesenheit von Trauer darüber ließen den Roman eben auch etwas nichtssagend wirken. Krumbholz erinnert dieser "Kunstgriff der expliziten Aufsplitterung von Erleben und Erzählen" an Thomas Bernhard. Erstaunlich findet der Rezensent den inhaltlichen Kern des Romans, den Umstand, wie der Erzähler mit "Unbeirrbarkeit" seinen Verlust als Gewinn interpretiert und sein emotionales Wohlergehen strategisch maximiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2006

Ingeborg Harms hat der Roman Mut gemacht. Mut, mit der Unvollkommenheit des eigenen Lebens gelassener umzugehen und im Scheitern auch die Chancen zu erkennen. Wie Bodo Morshäuser in den inneren Monologen seines Helden das Thema "Trennung" analytisch angeht, so dass als Problem schließlich nicht mehr die Trennung selbst, sondern der ständige Wunsch nach Sicherheit erscheint, die "Flauheit des Herzens", wie Harms es nennt - das gefällt der Rezensentin. Wenn nebenher ein kritisches Bild vom "infantilisierten Deutschland" und seiner debilen Unterhaltungsindustrie entsteht, macht das für sie Sinn.
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