Wie begegnet man als Fotograf der massenhaften Bilderproduktion? Der Tatsache, dass zu viel gemacht wird - und zwar auf allen Gebieten der Fotografie? Boris von Brauchitsch hat dafür eine radikale Formel gefunden: Jedes neue Foto muss hundert andere überflüssig machen. Unterwegs ist die Gefahr besonders groß, dass visueller Müll entsteht, daher hat von Brauchitsch sich auf seinen Reisen eine maximale Reduktion und Verdichtung auferlegt. Jedem Ort, der für ihn neu ist, widmet er dreimal drei Bilder, neun Aufnahmen, geordnet zu einem strengen Quadrat. Sie zeigen die Besonderheit des noch unbekannten Ganzen, die ihm als erstes ins Auge fällt und jedes dieser Tableaus korrespondiert mit einer kleinen literarischen Beobachtung.
Der Fotograf und Autor Boris von Brauchitsch eröffnet so einen faszinierenden Dialog zwischen Bild und Text.
Boris von Brauchitschs "minimalistische Reiseerinnerungen", eine hochgradig ästhetische Zusammenstellung von Fotografien und vertexteten Gedankensplittern, kannals Replik auf die Bilderflut der Gegenwart gedeutet werden. Dass sie als solche neben ihrer Eleganz und Feinheit elitär daherkommt, liegt wohl in der Natur der Sache, meint Rezensentin Annegret Erhard. Jeweils neun im Quadrat angeordnete Schwarz-Weiß-Fotografien stehen neben kurzen Textsplittern und ergeben zusammen eine Art "lyrische Struktur", abstrakte Interpretationen von seltsamen Motiven, deren teils amüsante Bedeutung sich erst im Zusammenspiel von Text und Bild herstellt, erfahren wir. Einmal mehr erkennt die Rezensentin mit Brauchitsch, dass weniger immer noch mehr ist und Neugier die beste Begleitung.
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