Die Ich-Figur erzählt mit surreal erheiternder Detailbesessenheit von ihrem unmöglich zu bewältigenden Leben in den Mehrfachrollen als künstlerisch ambitionierter Journalist, Vater und Ehemann in einer Einkind-Kleinfamilie in einem kleinen Reihenhaus in einem klar erkennbar gemachten Wohnquartier von Zürich. Im Zentrum der Einkind-Familie steht natürlich das Kind, Leo, der zu Beginn der Erzählung dreijährige Sohn, welcher den übermässig liebenden Vater mit seinen Wünschen in den ? fast normalen ? kleinfamiliären Wahnsinn treibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2001
Sibylle Birrer ist hingerissen und schlau. Dieses Buch ist nicht "mehrheitsfähig", schreibt sie am Ende einer Rezension, in der sie so rasant die Spiegelungen und Brechungen dieses "herausragenden Buches" schildert, dass der atemlose Leser trotzig beschließt, von der Mehrheits- in die Minderheitsecke zu wechseln. Auch wenn er da gar nichts zu suchen hat. Worum geht es? Ein Kleinfamilie - Mann, Frau und 5-jähriger Sohn - üben sich in der Bewältigung des Alltags. Das Kind, dem die Eltern in Affenliebe ergeben sind, hat die "Herrschaft" in der Familie übernommen, ein Zustand, den der Ich-Erzähler demütig und ergeben als "Gemütlichkeit des Lebens über dem Abgrund" beschwört, schreibt Birrer. Verwirrt wird der Leser, erklärt sie, weil sich die Groteske vor einem ganz realen Hintergrund in Zürich abspielt. Wo andere Autoren dekonstruieren oder sich wie die Popliteraten dem "harmlosen Alltag" ergeben, angele Steigers Erzähler "verbissen heiter nach den Reststücken der großen Zusammenhänge". Dass dabei kein "trügerisches Ganzes" entsteht, beweist für die Rezensentin die "radikale Subtilität" des Autors.
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