Aus dem Amerikanischen von Hermann Kusterer. Ohne Vorwarnung und völlig unvermittelt überfällt Cameron West, ein ganz normaler Enddreißiger und Vater eines kleinen Sohnes, das beklemmende Gefühl, dass irgend etwas nicht mit ihm stimmt. Plötzlich reden Stimmen in seinem Kopf, ihm fehlen Stunden und Tage, seine Hand ist verletzt, ohne dass er sich erinnern kann, wie das geschehen ist. Er begibt sich in Behandlung und muss entdecken, dass er nicht nur er selbst ist, sondern noch vierundzwanzig andere Persönlichkeiten verschiedenen Alters und Geschlechts in sich beherbergt. Mit Hilfe seiner Therapeutin macht sich West auf die Suche nach seiner Vergangenheit und kommt einem schrecklichen Geheimnis seiner Kindheit auf die Spur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2000
Ist es nicht egal, fragt Marion Löhndorf, ob das Phänomen der multiplen Persönlichkeit eine Erfindung, wie manche behaupteten, oder nun tatsächlich eine psychische Erkrankung ist? Steckt nicht in jedem Fall eine Art von Leid dahinter? Cameron West - im übrigen ein Pseudonym, teilt Löhndorf mit - hat seinen Fall und sein Leid verpackt in die Form eines Thrillers; mit dem Ergebnis, dass man über die schwierigen, verzweifelten Stellen durch den Sog der Erzählung hinweggetragen wird, so die Rezensentin. West schreibt nicht etwa in der "Ersten Person Plural", erzählt Löhndorf, sondern in der Ersten Person Singular - die Rezensentin interpretiert dies als ironische Brechung des Tatbestands, dass der Autor, der über seine eigene Erkrankung sogar promoviert hat, sich in 24 Persönlichkeiten aufgespalten sah. Ein den Verwirrungs- und Angstzustand glättendes und bündelndes Verfahren, das als Roman und nicht als authentischer Krankenbericht daherkommt. Der Grad der Identifikation wird dadurch gebrochen, meint Löhndorf, statt sich sensationalistisch an dem Stoff zu vergreifen, habe der Leser die Chance, sich "aus sicherer Distanz" ein Bild von einer wie auch immer genannten Krankheit machen zu können.
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