Deutschland hatte sich behaglich eingerichtet in der Welt der Globalisierung - einer Welt, die friedlich zusammenzuwachsen und für uns immer sicherer zu werden schien. Doch diese Welt gibt es spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht mehr. Über ein Zeitenwendchen ist die deutsche Politik bisher dennoch nicht hinausgekommen. Nach einem ersten Schock hat das Land wieder in den Friedensmodus geschaltet. Carlo Masala zieht eine schonungslose Bilanz und beschreibt, wie wir resilienter werden können - gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch und militärisch. Denn ohne kluges, strategisches Handeln werden wir uns in der neuen Weltunordnung nicht behaupten. Was kann die Bundeswehr, was muss sie können? Wo liegen strukturelle Probleme, und wie bekommt die bisherige Zeitlupenwende mehr Tempo? Was bedeutet der russische Krieg gegen die Ukraine für Deutschland? Wie ist der Angriff zu erklären? Und welche Wege führen zum Frieden? Wohin entwickelt sich das internationale System? Woher rührt die strategische Naivität der Deutschen, und wie können wir uns in der Welt der Zukunft behaupten? Das sind die Fragen, denen Carlo Masala in diesem Buch im Gespräch mit Sebastian Ullrich und Matthias Hansl nachgeht, und es sind zugleich drängende politische Fragen, auf die nicht nur die Bundesregierung Antworten finden muss, sondern auch die deutsche Bevölkerung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.10.2023
Rezensentin Cathrin Kahlweit freut sich, dass Carlo Masala in diesem Interviewband kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Experte für internationale Politik wird von Sebastian Ullrich und Matthias Hansl zur Schwäche der militärischen Abwehrbereitschaft Deutschlands, zum Versagen der deutschen Russlandpolitik und zu Zukunftsaussichten befragt, lernen wir. Masalas Antworten sind durchweg klug und reflektiert, so Kahlweit, unter anderem gibt es viel über den Nachholbedarf in der Sicherheitspolitik zu lernen, wo Deutschland als besonders Blinder unter Blinden agiert. Gut belegt sind laut Rezensentin auch Masalas Anmerkungen zur verfehlten Russlandpolitik, die Deutschland insbesondere via Nord Stream 2 in die Abhängigkeit von Putin manövriert hat. Das Argument bezüglich angeblicher NATO-Provokationen lasse der Experte nicht gelten: ein bloß reagierendes Opfer sei Putin wahrlich nicht. Für die Zukunft, so zeichnet Kahlweit Masalas Argumentation nach, kann man nur auf eine realistischere, eindämmende deutsche Russlandpolitik hoffen.
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