Albert Schweitzer war eine Kultfigur, ein ethischer Popstar der jungen Bundesrepublik. Tausende Schulkinder schrieben Briefe an den "Urwalddoktor", hunderte Straßen wurden nach ihm benannt. Sein legendäres Spital "Lambarene" in Afrika avancierte zum symbolisch aufgeladenen Ort eines Heilungsgeschehens. Exemplarisch zeigt sich gerade am Mythos von "Lambarene" eine Suche nach der Bewältigung untilgbarer Schuld, entstanden durch die Shoah. Caroline Fetscher beleuchtet diesen zentralen Aspekt der Großgruppenpsyche der Bundesdeutschen nach 1945 (Teil I). Im Kontrast dazu erkundet die Autorin das reale, zeithistorische Lambaréné in Äquatorialafrika (Teil II). Erst die postkoloniale Perspektive offenbart vollends die Kluft zwischen Fiktion und Faktizität. Deutlich wird die enorme Dynamik der Projektionen auf ein imaginäres Afrika.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2023
Rezensent Johann Hinrich Claussen staunt, was die Journalistin Caroline Fetscher über Jahrzehnte an Material gesammelt hat und wie sie damit in ihrem Buch die einstige Kult-Figur entblättert. "Gründe und Abgründe" tun sich vor dem Rezensenten auf, wenn er liest, wie Albert Schweitzer sich in Afrika medial als guter Deutscher in den Mittelpunkt zu rücken wusste (obwohl er französischer Staatsbürger war). Fetscher, lobt Claussen, analysiere, in welche Wunde der Schuld Schweitzer damals sozialpsychologisch stieß, wie er sich mit seinem Krankenhaus in Lambaréné zur gütigen Vaterfigur stilisierte und gleichzeitig die Überlegenheit weißer Menschen propagierte. Dass Schweitzer mit seinem Tod 1965 völlig von der Bildfläche verschwand: Auch das durchleuchte Fetscher, schreibt der Rezensent, der sich offenbar über seine eigene Verklärung von Schweitzer nun sehr wundert.
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