Das Wort der Wissenschaft hat in der Öffentlichkeit Gewicht. Umso attraktiver ist es für demokratisch gewählte Politiker, sich bei ihren Entscheidungen auf Experten zu berufen. Experten erhalten dadurch eine privilegierte Position in der Gesellschaft, und es mehren sich Stimmen, die vor dem Umkippen der Demokratie in eine "Expertokratie" warnen. Die Auswirkungen für die Wissenschaft finden dabei kaum Beachtung. Ihre Vertreter eignen sich als Skandalfiguren, an denen sich der Volkszorn abreagieren und die Politik schadlos halten kann - eine Entwicklung, die für die ganze Wissenschaft, gerade in antielitären Zeiten, zur Gefahr zu werden droht.
In seiner großen Untersuchung rekonstruiert Caspar Hirschi die Geburt des Experten im Frankreich Ludwigs XIV. und veranschaulicht an "Expertenskandalen" aus Geschichte und Gegenwart, welche Risiken eine an politischen Interessen ausgerichtete Wissenschaft eingeht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2019
Gottlieb F. Höpli lernt von Caspar Hirschi, wie das Expertentum entstand und welche Folgen es für die Politik und vor allem für die Wissenschaft hat. Von den Experten am Hof Louis XIV über die Dreyfus-Affäre bis zu den Experten unserer Tage, etwa im Fall des Erdbebens von L'Aquila, beschreibt der Historiker laut Höpli den Aufstieg und das Versagen von Experten, die auftretenden Wissens- und Normenkonflikte sowie die Rolle von Peer-Reviews als Mittel des innerwissenschaftlichen Machterhalts. Hirschis Kritik am Expertentum weitet sich so für Höpli zu einer Kritik an der heutigen Wissenschaftskultur und an einem kritiklosen Publikationsbetrieb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018
Rezensent Helmut Mayer findet Caspar Hirschis Studie aller Aufmerksamkeit wert. Die Rolle der Wissenschaft in der demokratischen Öffentlichkeit und Politik kann ihm der Autor dramaturgisch raffiniert und pointiert argumentierend anhand von fünf Fallbeispielen von der Affäre Dreyfus bis zur Erdbebenexpertise für ein Abruzzendorf 2009 darlegen. Wann und wie die Rolle des Experten auf den Plan kommt und wie sich selbige politisch instrumentalisieren ließen, erfährt Mayer aus dem Buch. Auch die Kritik Hirschis am anonymen Peer-Review-Verfahren, mit dem sich die Experten gegenseitig überprüfen - und die Hirschi als "Wissenschaftskultur der Irritationsvermeidung" kritisiert - hat der Rezensent mit Interesse gelesen. Auf die Debatten, die der Band auslösen wird, freut er sich schon.
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