Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky und Sonja Finck. Bay City, 1960: Am Ende der Veronica Lane wird ein Wellblechhaus abgeliefert, eine Familie zieht ein. Zwei Schwestern, Denise und Babette, bringen nacheinander waschechte amerikanische Babys zur Welt. Das kriegsverheerte Europa haben sie hinter sich gelassen, denn damals scheint die Zukunft in Amerika zu liegen, diesem Kontinent, in dem alles neuer, bunter, fröhlicher ist.Die Geschichte lässt sich aber nicht verdrängen. Amy, die Tochter von Denise, wird von den Toten heimgesucht und macht eines Tages im Keller des kleinen Wellblechhauses eine verstörende Entdeckung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2021
Für Rezensent Niklas Bender gehört Catherine Mavrikakis' Roman zu den herausforderndsten Büchern des Herbstes. Die Geschichte einer eingebildeten familiären Schuld, die die Autorin mit Themen wie der Schoa und der Umweltverschmutzung und mit einem Panorama der amerikanischen Nachkriegszeit zu einer allgemeinen Zivilisationskritik vereint, scheint Bender in ihrer wilden, symbolischen Sprache und emotionalen Energie fesselnd. Der assoziative Furor im Text wird laut Bender ab und an gestört von Redundanzen und argumentativer Überspannung, die auf die Ambivalenz der Erzählerin hindeutet, wie Bender erläutert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.10.2021
Rezensentin Sonja Hartl schätzt Catherine Mavrikakis' Roman für eine neue Perspektive auf den Holocaust. Die Ich-Erzählerin verbindet das Familien-Trauma von Auschwitz, das ihre Großeltern erfahren und an die Enkelin weitergegeben haben, mit der Industrie in ihrer Heimatstadt in Michigan und einer eigenen, möglicherweise nur vorgestellten Schuld, erklärt Hartl. Wie Trauma und Schuldgefühle sich in späteren Generationen manifestieren können, zeigt der Text laut Hartl eindrucksvoll. Die Suche nach der Wahrheit, mit der die Protagonistin sich gegen das Schweigen stellt, verfolgt die Rezensentin gebannt.
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