Chris Reiter, William Wilkes

Totally kaputt?

Wie Deutschland sich selbst zerlegt
Cover: Totally kaputt?
Piper Verlag, München 2025
ISBN 9783492073288
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Oliver Lingner. Deutschland gleicht einer Gründerzeitvilla: Die Fassade steht noch, aber überall zeigen sich tiefe Risse. Der Amerikaner Christopher Reiter und der Brite William Wilkes wohnen und arbeiten seit Jahren in Deutschland: Gerade weil sie es lieben, können sie ihm die harte Diagnose nicht ersparen: Deutschland ist nicht mehr der Hort der Stabilität, wie viele meinen; überzeugende Antworten auf die großen Herausforderungen in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Geopolitik fehlen, Deutschland lebt von der Substanz. Das wird nicht mehr lange gut gehen und auch die nächste Bundestagswahl prägen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2025

Rezensent Dominik Fürst ist nicht allzu überzeugt von Chris Reiters und Will Wilkes' Buch über deutsche Probleme. Dabei stimmt er der Grunddiagnose der beiden bei Bloomberg tätigen Journalisten angelsächsischer Herkunft durchaus zu: Deutschland hat fertig, oder zumindest viele drängende Probleme, es muss etwas geschehen, um das Auseinanderbrechen der Gesellschaft zu verhindern. Allzu ausschweifend ist die Problemdarstellung geraten, ärgert sich Fürst allerdings, ein eigenes Kapitel zur deutschen Bahn hätte nun nicht unbedingt sein müssen, außerdem setzen die Autoren zu sehr auf pauschale psychologische Erklärungen, etwa wenn sie sich über deutsche Schwarzseherei beklagen und arbeiten sich recht repetitiv an einzelnen Metaphern ab. Richtig schwach wird das auch stilistisch nicht überzeugende Buch dann, wenn es um Lösungsvorschläge geht, findet der Rezensent: mit einen bundesweiten Spargelfeiertag, wie ihn die Autoren vorschlagen, kann man dem aufkommenden Rechtsextremismus und anderen Problemen eher nicht begegnen, mutmaßt er.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.03.2025

Eine lesenswerte Perspektive auf deutsche Probleme bieten die Bloomberg-Journalisten Chris Reiter und Will Wilkes laut Rezensent Christian Meier an. Meier gefällt unter anderem, dass das Buch, so sehr es auch - bereits auf dem Titelbild, das einen zerbrochenen Gartenzwerg zeigt - die Schwierigkeiten des Landes betont, optimistisch bleibt. Zu den behandelten Themen zählen unter anderem die Außenpolitik, die Autoindustrie und die Energiepolitik, zählt Meier auf, außerdem wird kritisiert, dass die Deutschen oft von Wunschvorstellungen ausgehen und Probleme nicht offen ansprechen, ein Beispiel ist hier die Wirecard-Affäre. Auch soziale Ungleichheit wird von den Autoren angeprangert, so der Rezensent, der vor allem den Wert einer Perspektivverschiebung betont, den dieses Buch anbietet. Insbesondere, was die Mentalität der Deutschen betrifft: Reiter und Wilkes schreiben zum Beispiel darüber, wie eigennützig und schulduneinsichtig ihnen deutsche Kinder bereits erscheinen. Man muss nicht allem zustimmen, findet Meier, aber insgesamt handelt es sich um eine lesenswerte Intervention, noch dazu um eine, die klarstellt, dass immer noch Grund zur Hoffnung besteht.

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