Konstantin Richter

Dreihundert Männer

Aufstieg und Fall der Deutschland AG
Cover: Dreihundert Männer
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432525
Gebunden, 543 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Mit 30 Abbildungen. Dreihundert deutsche Männer, schrieb Walther Rathenau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bestimmten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents. Er meinte das enge Geflecht aus Bankiers, Industriekapitänen und Lobbyisten, das sich mit dem Aufstieg von Firmen wie der Allianz, Krupp oder Siemens herausgebildet hatte. Man kannte einander, man sprach miteinander - und man sprach sich ab. Bis in die 1990er Jahre prägte dieses Netzwerk namens "Deutschland AG" die Politik und die Unternehmenskultur in der Bundesrepublik. Konstantin Richter begleitet Nicolaus Otto und Gottlieb Daimler bei der Gemüseernte, wo die beiden genauso erbittert konkurrieren wie bei der Entwicklung neuer Motoren. Richter sitzt mit am Tisch, wenn die Gebrüder Mannesmann in Marokko irrwitzige Intrigen spinnen, und er pendelt mit Thomas Middelhoff von Bielefeld nach Essen, wenn dieser sich mit seinem Hubschrauber auf den Weg ins Büro macht. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.01.2026

Rezensent Gerrit ter Horst lässt sich gerne von der Idee faszinieren, dass nur 300 Männer die Geschicke ganzer Länder lenken können, die Konstantin Richter auch für die deutsche Wirtschaft geltend macht. Walther Rathenau hat 1909 vor dem Wirtschaftsklüngel gewarnt, der auch den Mythos "Deutschland AG" begründete, lesen wir. Richter setzt mit der industriellen Revolution und dem Kaiserreich ein: Unternehmen wie Daimler, Krupp oder Siemens entstehen in diesen Zeiten als kleine Betriebe, die später nicht nur große Innovationen hervorbringen werden, sondern sich auch intensiv untereinander vernetzen, die Fäden hält oftmals die Deutsche Bank in der Hand, wie ter Horst lernt. Diese Vernetzungen blieben lange stabil und sind ideologisch flexibel, erst Ende des 20. Jahrhunderts sei damit Schluss. Der Kritiker liest eine mitreißende Story, das Problem sei allenfalls, dass der Atuor "nicht deutlich genug markiert, dass wir hier einen halbmythischen Raum betreten" - eine "Florian-Illisierung der Geschichtsschreibung" sei das. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.01.2026

Rezensent Jan Drees hat große Worte für Konstantin Richter und sein Sachbuch über die "Deutschland AG", für Drees zugleich der "Wirtschaftsroman, der fehlte". Dass der Wirtschaftsjournalist Richter bereits vor 19 Jahren mit einem Roman über einen Geisteswissenschaftler, der sich zum Businessreporter entwickelt, debütierte, erscheint rückblickend für Drees absolut plausibel. Das neue Buch lebt laut Drees nicht nur von den Fakten über 150 Jahre deutscher Wirtschaftsgeschichte, sondern auch von Richters kulturgeschichtlicher Expertise. So wird unternehmerisches Handeln im Buch etwa mit dem "deutschen Klang" eines Karajan, Furtwängler oder auch Stefan George verglichen. Stilistisch klingt der Text für Drees literarisch, so wenn Richter "klug komponierte" Anekdoten aus dem Leben von Rudolf Diesel, Carl Benz und anderen erzählt. Dass die systemische Analyse dennoch nicht zu kurz kommt, macht den band für Drees zum großen Wurf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2026

Rezensent Hartmut Berghoff liest mit Interesse über die großen Linien der deutschen Wirtschaftsgeschichte im Buch des Journalisten Konstantin Richter. Darin ist es anschaulich, flott und informativ, gibt er zu. Allerdings hat es laut Berghoff auch einige Defizite. So wird keiner der Wirtschaftslenker im Buch wirklich genau charakterisiert, kritisiert Berghoff. Differenzierungen vermisst er auch, wenn der Autor über die Deutschland-AG als eine Art männerbündische Vereinigung schreibt. Zu kurz kommen im Buch laut Berghoff außerdem Alumninetzwerke und die wichtigen Jagdgesellschaften, aber auch die Konkurrenz und die Widerstände innerhalb der deutschen Wirtschaftselite.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2025

Rezensent Daniel Siemens, Professor für europäische Geschichte an der Newcastle University in Großbritannien, lobt Konstantin Richters Buch als kenntnisreiches, gut informiertes Zeitpanorama über den "Rheinischen Kapitalismus", seine Macher und die Verbindungen zwischen Konzernen und Banken. Geschickt verbindet der Autor laut Siemens Unternehmensgeschichten und Unternehmerbiografien, schreibt anekdotisch und humorvoll, sei es über Wallich, Krupp oder Daimler. Dünner wird die Analyse beim Thema Ostdeutschland und wenn es um die deutsche Industrie im Nationalsozialismus geht, bedauert Siemens. Doch wie Richter Sachkenntnis, Erzähltalent und Sinn für historische und politische Zusammenhänge verbindet, das scheint Siemens stark. 

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