Marode Schulen und Krankenhäuser, explodierende Mieten in städtischen Zentren, steigende Preise für Wasser, Gas und Strom, geschlossene Filialen der Deutschen Post, "Verzögerungen im Betriebsablauf" bei der Deutschen Bahn - dies alles geht auch auf den großen Ausverkauf der öffentlichen Hand zurück, der in Deutschland während der Kanzlerschaft Helmut Kohls einsetzte. In der Überzeugung, dass Privatisierungen Dienstleistungen besser, billiger und bürgernäher machen, schüttelt "Vater Staat" bis heute immer mehr Aufgaben ab - wie ein Baum seine Blätter im Herbst. Anhand besonders eindrücklicher Beispiele analysiert Tim Engartner in sieben Kapiteln - Bildung, Verkehr, Militär, Post und Telekommunikation, soziale Sicherung, Gesundheit und kommunale Versorgung - die Privatisierungen in Deutschland und ordnet sie in internationale Zusammenhänge ein. Sein Weckruf zeigt: Diese Politik, die von allen regierenden Parteien betrieben wurde und immer noch wird, ist nicht alternativlos.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.02.2017
Tim Engartner erhebt mit seinem Buch Einspruch gegen die Privatisierung öffentlicher Güter und Dienstleistungen, die seit dreißig Jahren das deutsche Haushalten bestimmt. Seit 1982 hat sich laut Engartner der Bund von neunzig Prozent seiner Beteiligungen getrennt, also von Lufthansa, Bundesbahn, Bundespost, aber auch die Kommunen privatisieren immer mehr Einrichtungen. Kenntnisreich, scharfsinnig und überzeugend legt der Autor für Cord Aschenbrenner dar, dass sich mitnichten daraus Vorteile für Bürger oder Verbraucher ergeben haben. Auch funktionieren Unternehmen wie Post oder Bahn dadurch nicht besser, wenn wir Aschenbrenner richtig verstehen, dem allerdings einige böse redaktionelle Fehler die Argumentation verhageln.
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